Puente Genil versteckt sich so geschickt im Südwesten der Provinz Córdoba, dass die meisten die Stadt wahlweise links oder rechts liegen lassen. Dabei hat die lebhafte Gemeinde, die heute als eines der wichtigsten Industriezentren der gesamten Region gilt, aus touristischer Sicht großes Potenzial. Sie verfügt über ein enormes Kulturerbe, ist leicht zu erreichen und lässt sich wunderbar mit nahegelegenen Ausflugszielen verbinden.

Namensgeber und zugleich Wahrzeichen der Stadt ist die Puente Genil, die den Río Genil überspannt und seit Jahrhunderten den Ort prägt. Das Bauwerk geht auf Entwürfe des berühmten Architekten Hernán Ruiz II. zurück und wurde 1583 fertiggestellt. Obwohl in den folgenden Jahrhunderten durch Fluten beschädigt und umgebaut, umgibt sie noch immer eine historische Aura. Die Brücke ist seit jeher ein strategisch wichtiger Übergang. Die beiden Gemeinden an den Flussufern, die sie miteinander verband, schlossen sich im Jahr 1834 zum heutigen Puente Genil zusammen.

Gleich jenseits der Brücke taucht man ein in das elegante Herz der Stadt, das ihren historisch gewachsenen Wohlstand deutlich spiegelt. Dies sieht man dem Liceo Mercantil auf den ersten Blick an. Das Haus des Handelsklubs wurde im Jahr 1897 nach dem Vorbild des venezianischen Palazzo Vendramín-Calergi erbaut und wirkt wie ein repräsentatives Tor zum Zentrum. Direkt dahinter, in der Calle Don Gonzalo, reihen sich prachtvolle Bauwerke aneinander, unter denen die Casa Palacio de los Duques de Medinaceli besonders hervorsticht. Der Barockpalast aus dem 18. Jahrhundert mit seinen Wappenschilden zeugt vom einstigen Reichtum seiner Erbauer.

Nur wenige Schritte entfernt bildet das ehemalige Kloster Los Frailes (Convento de la Victoria) ein weiteres kulturelles Zentrum. Wo einst Mönche rings um den vielleicht prachtvollsten Innenhof der Stadt lebten, präsentiert heute das Museo Histórico Local einen tiefen Blick in die Geschichte von Puente Genil. Zu den Besuchermagneten gehört die ethnografische Abteilung, die unter anderem den industriellen Aufstieg der Stadt dokumentiert, vor allem aber die Ausstellung römischer Skulpturen und anderer Gegenstände aus der Antike.

Vor den Toren der Stadt kann man sogar höchstpersönlich auf diesen Spuren wandeln. Die Villa Romana de Fuente Álamo ist ein archäologisches Juwel, das Einblicke in das luxuriöse Leben im dritten Jahrhundert gewährt. Besonders bemerkenswert ist die Dichte und feine Qualität ihrer Mosaikfußböden, die zu den bedeutendsten in ganz Spanien zählen. Allein schon für den Anblick prächtiger Mosaike wie der „Drei Grazien“ lohnt sich die Fahrt nach Puente Genil.

Ist der kulturelle Hunger erstmal gestillt (wenn nicht, gibt es noch einige weitere Sehenswürdigkeiten wie die Parroquia de la Purificación, das prachtvolle Teatro Circo oder Zeugnisse der Industriegeschichte), sollte man sich den kulinarischen Genüssen der Stadt zuwenden. Dabei kommt man an Puente Genils süßem Wahrzeichen, dem Carne de Membrillo (Quittenpaste), kaum vorbei. Quitten, die traditionell im nahegelegenen Carcabuey angebaut werden, veredelt man hier seit Generationen zu der süßen Paste, die aus der einheimischen Küche nicht wegzudenken ist. Sie findet sich als Grundlage in manchem Gericht wieder und wird gern auch mit Käse kombiniert.

Der Wein, der dazu gereicht wird, stammt nicht selten aus der Umgebung. Puente Genil ist Teil der renommierten Weinregion Montilla-Moriles. In der traditionsreichen Bodega Delgado zum Beispiel reifen hervorragende Finos und Amontillados aus der Pedro-Ximénez-Traube, die mit den bodenständigen Gerichten der Campiña perfekt harmonieren.

Wenn das Appetit auf mehr weckt, bietet sich eine kulinarische Rundreise durch die Umgebung an, die zahlreiche Highlights verspricht, darunter etwa Montilla als Mittelpunkt einer der bedeutendsten Weinregionen Spaniens, die für ihren Käse berühmten Orte Casabermeja und Zuheros, Luque, Baena oder Priego de Córdoba als Heimat exquisiter Olivenöle oder Colmenar, das für seine Wurstspezialitäten und erlesenen Honig bekannt ist.