Wenn in Andalusien von flüssigem Gold die Rede ist, meint man in Montilla damit zwar auch das kostbare Olivenöl der Region, doch in erster Linie gilt die Umschreibung dem hier erzeugten Wein. Die Kleinstadt ist eines der Zentren des spanischen Weinbaus und weltbekannt für ihre erlesenen Tropfen. Kein Wunder, dass der Ort, der sich nur eine halbe Autostunde südlich von Córdoba in die Hügellandschaft der Campiña Sur schmiegt, ein unverzichtbares Ziel für Weinliebhaber ist.

Die Seele der Stadt ruht in den unzähligen Weinfässern, die in den kühlen Hallen der örtlichen Bodegas lagern, während der Duft von altem Eichenholz und Hefe in der Luft liegt. Allein schon für diesen Anblick lohnt sich eine Tour durch einen von Montillas Weinkellern. Einer der besten Orte hierfür sind die Bodegas Alvear unweit des Stadtzentrums. Im Jahr 1729 gegründet, ist dies die älteste Weinkellerei Andalusiens und ein Besuch damit zugleich ein Ausflug in Montillas Historie. Verbürgt sich die lange Tradition des Unternehmens für seine Qualität, kann man sich bei einer Verkostung direkt selbst davon überzeugen.

Das Geheimnis der hiesigen Tropfen liegt in der Pedro Ximénez-Traube, die unter der intensiven Sonne der Campiña Sur einen besonders hohen Zuckergehalt erreicht. Anderswo meist für sehr süße Likörweine verwendet, verstehen sich Montillas Winzer darauf, hieraus die gesamte Bandbreite vom trockenen Fino über den nussigen Amontillado bis zum dunklen, sirupartigen Dessertwein zu zaubern. Im Gegensatz zum Sherry aus Jerez de la Frontera, bei dem noch Weingeist zugegeben wird, erreicht der hiesige Wein seinen für die Reifung notwendigen Alkoholgehalt auf natürliche Weise. Auf dieses Qualitätsmerkmal ist man besonders stolz.

Einheimischer Wein, der sogar durch die eigene Herkunftsbezeichnung D.O.P. Montilla-Moriles geschützt ist, wandert natürlich nicht nur ins Glas, sondern ist auch unverwechselbarer Teil der traditionellen Kulinarik. Zu Montillas Spezialitäten, die man probiert haben sollte, gehören Artischocken in Weinsauce (Alcachofas a la Montillana) sowie in Wein zubereitete Fleischgerichte (Carne con Vino). Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich auf die „Ruta del Vino Montilla-Moriles“ begeben, die durch das gesamte Weinbaugebiet mit insgesamt 17 Gemeinden verläuft, darunter die sehenswerte Nachbarstadt Aguilar de la Frontera.

Doch Montilla zu besuchen, bedeutet weit mehr als in der Weinkultur und den damit verbundenen Genüssen zu schwelgen. Die Stadt verfügt über eine imposante monumentale Seite, war sie doch Sitz mächtiger Adelshäuser, allen voran der einflussreichen Marqueses de Priego. Eindrucksvoll ablesen lässt sich dies am Palacio de los Duques de Medinaceli, der mit seiner wuchtigen Front das Stadtbild dominiert. Nicht weit davon verbirgt sich hinter einer ebenfalls bemerkenswerten Fassade das Haus von Inca Garcilaso de la Vega, der als einer der bedeutendsten Vertreter der spanisch-amerikanischen Literatur des 16. Jahrhunderts gilt.

Montilla beherrscht aber auch typisch andalusisches Kleinstadtleben. Um es vollendet auszukosten, begibt man sich am besten zur Plaza de la Rosa. Der von stattlichen Bürgerhäusern eingefasste Platz ist das gesellige Wohnzimmer der Stadt. Mit seinen einladenden Cafés und Freiterrassen ist dieser Ort ideal, um eine Pause einzulegen. Wer möchte, kann hier sogar eine Theatervorstellung erleben. Das im Jahr 1917 eröffnete Teatro Garnelo ist ein gelungenes Beispiel des spanischen Jugendstils und zeugt vom kulturellen Selbstbewusstsein des einheimischen Bürgertums zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dass zahlreiche der rund 20.000 Einwohner in Tradition und Religion verwurzelt sind, erlebt man in den Kirchen der Stadt, und auch viele Feierlichkeiten sind christlich geprägt. Die bedeutendsten von insgesamt mehr als einem Dutzend Gotteshäusern sind die monumentale Iglesia de Santiago mit ihrem markanten Turm und die Basílica de San Juan de Ávila. Letztere ist nicht nur ein religiöser Wallfahrtsort zu Ehren des berühmten Kirchengelehrten San Juan de Ávila, sondern mit bedeutenden Barockgemälden für Kunstliebhaber von besonderem Interesse. Ein Erlebnis sind Ereignisse wie die Osterwoche oder das Patronatsfest zu Ehren des in Montilla geborenen „Apostels von Amerika“ San Francisco Solano.

Mit Inbrunst begeht man natürlich auch das wichtigste Event und emotionalen Höhepunkt des Jahres, die Fiesta de la Vendimia Anfang September. Eines der traditionsreichsten Weinfeste Spaniens und nationales Kulturgut, feiert Montilla seine Identität als Stadt des Weins und lädt seine Besucher ein, auf vielerlei Weise hieran teilzuhaben, sei es bei einer Verkostung eines edlen Tropfens unter freiem Himmel oder beim öffentlichen Traubentreten.