Carcabuey ist eine weniger bekannte Ortschaft in der Provinz Córdoba, die mit ihrer Lage inmitten des Naturparks Sierras Subbéticas und einem reichen kulturellen Erbe durchaus beeindruckt. Abseits ausgetretener Pfade verspricht das typische Weiße Dorf tiefe Einblicke in das traditionelle Landleben und so manches authentische Erlebnis.
Das Ortsbild von Carcabuey gleicht vielen anderen Gemeinden Andalusiens. Umgeben von Gebirgszügen, breitet sich der Ort zu Füßen eines Bergrückens aus, auf dem schließlich eine mittelalterliche Burg thront. Dieses malerische Ensemble zieht beim Betrachten immer wieder aufs Neue in seinen Bann. Ähnlich sieht es im Ort aus, wo ganz selbstverständlich verwinkelte Gassen mit weißen Fassaden, reichlich Blumenschmuck, hübsche Springbrunnen und einladende Tavernen andalusisches Flair vom Feinsten verströmen.
Am allerschönsten es ist hier im Wonnemonat Mai, wenn – wie in vielen Orten in der Provinz Córdoba – zunächst festlich geschmückte Maikreuze aufgestellt werden und im weiteren Verlauf mancher Patio seine Pforten für die Öffentlichkeit öffnet und einen Blick in bezaubernde Oasen voller Blumen, Grünpflanzen und plätscherndem Wasser erlaubt. Während diese liebenswürdige Tradition in der Hauptstadt Córdoba, wo sie gar zum Weltkulturerbe gehört, unzählige Schaulustige anlockt, hat man hier diese Juwelen maurischen Ursprungs oft ganz für sich allein.
Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich auch in der Parroquia de la Asunción. Die markante Hauptkirche am Fuße des Schlossberges beherbergt in ihrem Innenraum kostbare Gemälde, Statuen und andere Kunstgegenstände. Besonders bemerkenswert ist der „Cristo de Ánimas” aus dem Jahr 1624, denn die Christusdarstellung enthält zu ihren Füßen eine Teufelsfigur, die das Böse symbolisiert und in dieser Form ausgesprochen selten zu sehen ist.
Oberhalb des Gotteshauses thront auf dem Schlossberg das sagenumwobene Castillo de Carcabuey. Zwar nur noch in Fragmenten erhalten, lassen die mächtigen Mauern noch immer die Wehrhaftigkeit der Burg aus dem 13. und 14. Jahrhundert erkennen. In ihrem Schutz verbirgt sich mit der Ermita de la Virgen del Castillo ein hübsches Kleinod. Die Kapelle ist der Schutzpatronin des Ortes gewidmet. Hier ist man nicht nur im übertragenen Sinn dem Himmel nah. Hoch über den Dächern des Dorfes erlebt man einen herrlichen Panoramablick. Ebenfalls auf dem Bergrücken, allerdings gut versteckt, verbirgt sich mit dem Aljibe eine gut erhaltene und außergewöhnlich große Zisterne. Der Wasserspeicher fasst rund eine halbe Million Liter und diente vermutlich nicht nur der Burg, sondern versorgte auch das Dorf in Dürrezeiten mit Wasser.
Normalerweise fließt das kostbare Nass in Carcabuey jedoch reichlich. Aus dem Karstgestein sprudeln kräftige Quellen, denen sogar ein eigener Wanderweg gewidmet ist, die Ruta de las Fuentes. Ein Highlight der Wanderung ist die Puente Califal. Die Steinbrücke aus dem 10. Jahrhundert überspannt idyllisch den Fluss Palancar und ist die einzige erhaltene Brücke aus der Kalifenzeit im Süden der Provinz Córdoba. Über sie führte einst der Verbindungsweg zwischen der Hauptstadt und Priego de Córdoba.
Eine der schönsten Quellen übrigens befindet sich mitten im Ort. Die Fuente del Pilar wurde im 18. Jahrhundert angelegt und ist heute ein beliebtes Fotomotiv. Aus derselben Zeit stammt der Templete Virgen de las Angustias ein paar Meter weiter. Einzigartig in der Provinz Córdoba, gehört der Schrein mit einer aus Holz geschnitzten Marienfigur der Allgemeinheit, und die Einheimischen kümmern sich zusammen und mit Hingabe um seinen Erhalt.
Ohnehin ist mancher der knapp 3.000 Einwohner auch heute noch religiös tief verwurzelt. Die Osterwoche spielt daher in Carcabuey seit jeher eine tragende Rolle. Dabei wartet der Ort mit einer einzigartigen Tradition auf. Im Gegensatz zu den andächtigen Prozessionen der Woche, bildet der Ostersonntag mit der „Pascua de los Moraos“ eine faszinierende Mischung aus Ostern und Karneval. Dabei ziehen verkleidete Gruppen durch die Gassen und geben satirische Verse zum Besten.
Ein weiteres Aushängeschild, das es so nur hier gibt, ist das herbstliche Membrillo Festival (Quittenfest). Bei diesem Event dreht sich alles um Quitten, für deren Anbau Carcabuey bekannt ist. Mancher wird staunen, was sich aus den gelben Früchten alles zubereiten lässt. Eine Kostprobe von Quittenlikör oder -saft lohnt sich allemal. Genießer sollten spätestens im Dezember zurückkehren, wenn man beim alljährlichen Schlachtefest (Matanza Tradicional) die Wurstspezialitäten der Region zelebriert. Dazu gibt es natürlich die als Carne de Membrillo bekannte Quittenpaste sowie den berühmten Käse aus dem nahen Zuheros.