Casabermeja ist ein typisch andalusisches Dorf mit ganz eigener Identität. In den Bergen nördlich von Málaga gelegen, gerade einmal 20 Autominuten von der Provinzhauptstadt entfernt, findet man sich in einer anderen Welt wieder. Hier herrscht ein ländliches Idyll, in dem sich alles um Ziegen dreht. Genaugenommen ist es die Málaga-Ziege, die perfekt an die kargen, bergigen Bedingungen angepasst ist und zum Kulturerbe und Stolz der Region gehört. Die 4.000 Einwohner zählende Gemeinde ist daher weit über Andalusien hinaus als das Ziegendorf bekannt.

Den Geheimnissen der Malaga-Ziege, die für ihre Anspruchslosigkeit, Anpassungsfähigkeit und hohe Milchleistung geschätzt wird, widmet sich mit der Casa de la Cabra Malagueña sogar ein eigenes Interpretationszentrum. Hier erfährt man alles über die Bedeutung der Hirtenkultur, die das Landschaftsbild der umliegenden Berge seit Jahrhunderten prägt, und die Kunst, die reichlich fließende Ziegenmilch in Käse in allen erdenklichen Variationen zu verwandeln.

In lokalen Käsereien wie der Sierra de la Carigüela erlebt man hautnah, wie die frische Milch nach alter Tradition verarbeitet wird und kann die Resultate auch direkt verkosten. Die Vielfalt reicht von schneeweißem Frischkäse bis hin zu charakterstarkem Queso Curado, der nach monatelanger Reifung ein besonderes Aroma verkörpert. Mit Rosmarin oder Paprika eingerieben, versprechen verschiedenste Varianten unvergleichliche Genüsse. In örtlichen Geschäften finden sich zahllose Varianten zum Mitnehmen.

Nicht zuletzt hat dieses Stück Kultur einen festen Platz in der örtlichen Gastronomie. Ob als kräftige Käseplatte oder leicht angebraten und mit regionalem Honig aus dem benachbarten Colmenar serviert, die Spezialität findet sich auf jeder Speisekarte Casabermejas auf vielfältige Weise. Die Gasthäuser des Ortes sind auch bekannt für ihre Schmorgerichte, in denen – Tierfreunde mögen das verzeihen – so manche Ziege abermals zur Geltung kommt. Dabei geht natürlich nichts ohne das erlesene Olivenöl, das ebenfalls aus einheimischer Herstellung stammt.

Wer sich für diese Facette Casabermejas interessiert, sollte sich etwas außerhalb des Ortes in der historischen Ölmühle Molino del Hortelano aus dem 18. Jahrhundert umschauen. Hier wird heute ökologisches Öl hergestellt, und übernachten kann man sogar auch noch. Auf dem Weg dorthin lohnt sich ein Spaziergang zur Torre Zambra. Obwohl der maurische Wachturm aus dem 13. Jahrhundert für Besucher verschlossen ist, bietet sich von der Bergspitze, die er krönt, ein toller Rundumblick.

Casabermeja ist außerdem bekannt für ein Wahrzeichen, das alles andere als gewöhnlich ist – seinen Friedhof. Der Cementerio de San Sebastián gilt als einer der schönsten und ungewöhnlichsten in ganz Spanien und steht unter nationalem Denkmalschutz. Mit strahlend weißen, terrassenförmig angelegten Grabnischen, die an verschachtelte Häuschen erinnern, wirkt er wie eine kleine Stadt. Selbst wer mit Friedhöfen weniger anzufangen weiß, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen. Über allem erhebt sich die Iglesia de Nuestra Señora del Socorro, die sich mit ihrem Turm aus rotem Backstein markant aus der weißen Dorfsilhouette abzeichnet. Ihr barocker Innenraum ist während der regulären Gottesdienste zugänglich.

Casabermeja lässt sich hervorragend mit dem nahegelegenen Nachbarort Colmenar verbinden. Zwischen beiden Ortschaften befindet sich mit der Enclave Arqueológico Peñas de Cabrera eine bedeutende archäologische Fundstätte mit Felsenmalereien, die bis zu 5.000 Jahre alt sind. Allerdings braucht es etwas Entdeckergeist und ein gutes Auge, um die urzeitlichen Darstellungen und Symbole zu finden und zu erkennen. Südlich hiervon erstreckt sich mit dem Naturpark Montes de Málaga ein populäres Ausflugsziel voller Wandermöglichkeiten und Aussichtspunkte.