Während viele Weiße Dörfer Andalusiens mit ihrer malerischen Erscheinung auf sich aufmerksam machen, besticht Colmenar mit inneren Werten – und die kann man schmecken. Das Städtchen im Hinterland der Küstenmetropole Málaga steht in dem Ruf, die „Speisekammer der Provinz Málaga“ zu sein. Bekannt für traditionell hergestellte Wurstwaren, Olivenöl und Honig, decken sich viele Bewohner der Region hier mit Vorräten für die ganze Woche ein. Besucher finden eine der besten Gelegenheiten, die geschmackliche Vielfalt Andalusiens an einem Ort zu erleben.
In erster Linie verbindet man in Spanien den Namen des Dorfes mit Honig. Colmenar bedeutet übersetzt nichts weniger als Bienenkorb, und damit ist sofort klar, worauf man sich hier freuen darf. Seit jeher ist der Ort ein Zentrum der Honigherstellung. Abermillionen fleißige Bienen sammeln den Pollen und Nektar von wildem Thymian, Rosmarin und Steineichen, aus denen dunkler Waldhonig (Miel de Bosque) oder würziger Blütenhonig gewonnen wird. Insgesamt gibt es acht Honigsorten, die unter der Bezeichnung „Miel de Málaga“ bekannt sind und für ihre Qualität geschätzt werden.
Im Museo de la Miel dreht sich alles um das süße Markenzeichen Colmenars. Das Museum, zugleich Sitz des örtlichen Imkerverbandes, macht seine Besucher nicht nur fachkundig mit dem Honig als traditionellem Erbe der Umgebung vertraut, sondern lädt dazu ein, bei einer Verkostung die Vielfalt der Aromen zu erleben. Im zugehörigen Laden kann man die Spezialitäten und Wachsprodukte direkt kaufen und sich damit das eine oder andere Souvenir der besonderen Art sichern.
Folgt man dem würzigen Duft, der aus den Räucheröfen des Ortes aufsteigt und durch die Gassen zieht, landet man früher oder später in einer der lokalen Metzgereien. Hier wird traditionelles Fleischerhandwerk oft noch in Handarbeit erledigt, und fast möchte man meinen, dass man die Hingabe, die in den Wurstprodukten (Embutidos) steckt, schmecken kann. Ob luftgetrocknete Lende oder die herzhafte Morcilla, hier kann man sich mit deftigem Proviant für eine Wanderung in dem nahegelegenen Naturpark Montes de Málaga eindecken.
Fleisch aus der Region ist nicht zuletzt die Grundlage der rustikalen Gastronomie, die Liebhaber kräftiger Hausmannskost verzückt. Gefragt ist der Plato de los Montes (Bergteller) mit verschiedenen Wurstspezialitäten, darunter der Morcilla de Colmenar, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Käseliebhaber sollten gleich eine Käseplatte mit preisgekrönten Spezialitäten ordern, die nicht selten aus der für ihre Ziegenhaltung berühmten Nachbargemeinde Casabermeja stammen.
In den rustikalen Tavernen und Restaurants von Colmenar macht man zwangsläufig auch Bekanntschaft mit dem guten Olivenöl der Gegend. Einheimische Ölmühlen wie Molino de Colmenar verarbeiten überwiegend Verdial-Oliven. Dieses Öl ist bekannt für seinen milden Geschmack. Nur wenige Kilometer entfernt, wiederum in Casabermeja, lohnt sich ein Blick zum Molino del Hortelano. Die Ölmühle aus dem 18. Jahrhundert stellt preisgekröntes ökologisches Olivenöl her.
Schließlich lohnt sich in Colmenar noch ein Blick in die Iglesia de la Asunción aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die dreischiffige Kirche, die mit der höhergelegenen Ermita de la Candelaria das historische Ortsbild bestimmt, ist das bedeutendste Bauwerk im Ort. Beide Kirchen sind Schauplatz einer Prozession Anfang Februar zu Ehren der einheimischen Schutzpatronin, der Virgen de la Candelaria.
Das traditionelle Hauptereignis steigt alljährlich Anfang Dezember mit der Fiesta del Mosto y la Chacina. Das Wein- und Schlachtefest verwandelt ganz Colmenar in einen großen Marktplatz mit Verkostungen, Wettbewerben und Musik.