Baena ist eine typisch andalusische Landstadt, von der viele Durchreisende zwischen Córdoba und Granada allenfalls auf den Hinweisschildern an der Umgehungsstraße Notiz nehmen, die sie in einem weiten Bogen umrundet. Auch wenn die Stadt nicht mit einer imposanten Felskulisse wie etwa das nahegelegene Zuheros aufwarten kann, lohnt es sich, eine der Abfahrten zu nehmen und einen ungeplanten Zwischenstopp einzulegen. Dabei lässt sich so manchem Geheimnis auf den Grund gehen.

Ein Alleinstellungsmerkmal, auf das die Einheimischen besonders stolz sind, ist etwa das Olivenöl aus Baena. Wenngleich der Anbau von Oliven in der Provinz Córdoba und in der Region rings um Jaén weit verbreitet ist und weite Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen ausmacht, ist das sogenannte flüssige Gold von hier eine besondere Kostbarkeit und sogar mit der eigenen Herkunftsbezeichnung D.O.P. Baena geschützt.

Von der Faszination für dieses Geschenk der Natur lässt man sich im Museo del Olivar y el Aceite im Herzen der Stadt mitreißen. Eingerichtet in einer historischen Ölmühle, entführt das Museum seine Besucher in die Jahrhunderte alte Tradition der Ölherstellung. Dabei lernt man den technischen Wandel ebenso kennen wie die Beschaffenheit des Bodens und die Bedeutung des Klimas rings um Baena für die einzigartige Qualität.

Schmecken kann man das natürlich auch, denn Olivenöl ist ohne Frage das Fundament der örtlichen Gastronomie und beispielsweise ein wesentlicher Bestandteil des Salmorejo. Diese kalt servierte Tomatencreme ist ebenso typisch für die Provinz Córdoba wie der Flamenquin, ein paniertes und mit Schinken gefülltes Fleischröllchen. Als Nachtisch oder zum Naschen zwischendurch mag man in Baena sogenannte Panetes. Die kleinen Teilgbällchen werden in Öl ausgebacken und häufig noch mit Honig oder Zimt verfeinert und haben sich als Relikt der maurischen Lebensart bis heute gehalten.

Aus jener Zeit stammt der älteste Teil der Stadt, die sogenannte Almedina. Das historische Viertel erstreckt sich rings um die massiven Mauern des Castillo de Baena. Die Festung, die im 9. Jahrhundert auf den Fundamenten einer römischen Anlage errichtet wurde, zeugt noch immer von Baenas strategischer Bedeutung als Grenzstadt. Von den massiven Zinnen der Burg bietet sich die beste Sicht über das weiße Häusermeer der Altstadt.

Beim Blick nach Westen fällt die Iglesia de Santa María la Mayor auf. Die bedeutende Kirche entstand nach der Reconquista auf den Grundmauern der Hauptmoschee. Das Gotteshaus als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten verbindet damit nicht nur das maurische mit dem christlichen Erbe, sondern vereint gotische Elemente mit prachtvoller Barockkunst. Architektonisch vielfältig präsentiert sich auch die ebenfalls sehenswerte Plaza de la Constitución. Das Wohnzimmer Baenas an der Nahtstelle zwischen der Almedina und den jüngeren Vierteln prägt ein barockes Erscheinungsbild mit klassizistischen Details, während der Platz mit seiner Pflasterung und geometrischen Wasserbecken zeitlos-modern wirkt. Eine besondere Augenweide ist die Casa del Monte aus dem Jahr 1770, die die gesamte Südseite des Platzes einrahmt. Der Schatten ihrer malerischen Arkaden lädt zu einer Rast ein.

In der Ecke gegenüber weist die unscheinbare Statue eines Trommlers auf die einzigartige Tradition der „Tamborada“ hin, die Baena im Jahr 2018 einen Titel der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe einbrachte. In der Karwoche verwandelt sich die Stadt rings um die Plaza de la Constitución in ein rhythmisches Tollhaus, wenn tausende Trommler in prächtigen Uniformen und glänzenden Helmen durch die Gassen ziehen und ihr gemeinsames ohrenbetäubendes Trommeln ein akustisches Erlebnis von unvorstellbarer Wucht erzeugt.

Nur eine Ecke weiter beherbergt die historische Casa de la Tercia mit dem Historischen Museum der Stadt einen Leckerbissen für Geschichtsfreunde. Der einstige Getreidespeicher aus dem 18. Jahrhundert beherbergt neben zahlreichen archäologischen Schätzen die berühmte Löwin von Baena. Diese iberische Kalksteinskulptur aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ist das stolze Wahrzeichen der Stadt. Dass es sich um eine Replik handelt, während das Original im Nationalmuseum in Madrid gehütet wird, ist verschmerzlich. Viele ausgestellte Exponate stammen aus dem Umland. Neben monumentalen Kaiserstatuen von Augustus und Claudius faszinieren kleine Votivfiguren aus Stein, die man in der Ausgrabungsstätte von Torreparedones entdeckte.

Dieser Ort auf halbem Weg nach Cañete de las Torres ist heute als Parque Arqueológico Torreparedones geschützt und lädt dazu ein, auf den authentischen Spuren der Römer zu wandeln. Eingebettet zwischen endlosen Olivenhainen findet sich hier eine bedeutende Ausgrabungsstätte, die wegen ihrer gut erhaltenen Ruinen mitunter als das „Pompeji von Córdoba“ bezeichnet wird. Das antike Forum, das Heiligtum und die Thermen zeichnen ein realistisches Bild vom Leben vor zweitausend Jahren.