Zahara de la Sierra ist das nördliche Portal zum Naturpark Sierra de Grazalema – und was für eines! Das traditionelle Weiße Dorf empfängt seine von Norden kommenden Besucher mit einer imposanten Silhouette. Die Häuser ergießen sich buchstäblich über einen Hang, den eine schroffe Felsspitze überragt, gekrönt vom Bergfried einer maurischen Festung. Dieses göttliche Postkartenpanorama macht Lust, den 1.300 Einwohner zählenden Ort im Nordosten der Provinz Cádiz näher zu entdecken.
Dabei heißt es – wie so oft in den Weißen Dörfern – gut zu Fuß zu sein. Denn die schmalen Gassen in Zahara de la Sierra sind steil. Unverzichtbares Ziel ist das maurische Castillo de Zahara am höchsten Punkt des Dorfes, dessen Bergfried (Torre del Homenaje) sich halsbrecherisch über dem Abgrund erhebt. Hier oben erwartet Gipfelstürmer eines der dramatischen Panoramen Andalusiens, von denen kaum jemand jemals genug haben könnte. Lässt man den Blick über die Weite schweifen, wird klar, weshalb die Burg zu ihrer Zeit strategisch außerordentlich bedeutsam war. Bereits im 8. Jahrhundert kontrollierten die Mauren von hier oben die Umgebung und die Handelsrouten zwischen Sevilla und Ronda.
Auch Zahara de la Sierra selbst liegt noch hoch genug, um all jenen, die es nicht buchstäblich auf die Spitze treiben wollen, herrliche Ausblicke in alle Richtungen zu bieten. Aussichtspunkte wie etwa der Mirador del Arco de la Villa, der Mirador de Currin oder der Mirador Boquete verheißen ebenfalls verblüffende Impressionen.
Die beiden letztgenannten befinden sich direkt an der Torre del Reloj. Der Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert mit seinem verspielt wirkenden Glockenaufsatz ist ein ebenso beliebtes Fotomotiv im historischen Ortskern wie die Iglesia de Santa María de la Mesa. Die barocke Kirche hebt sich nicht nur mit ihrer beigen Fassade und rot abgesetzten Akzenten vom blendenden Weiß der umgebenden Häuser ab. Ihr Inneres beeindruckt mit einem prächtigen Altarbild.
In der Straße San Juan zwischen den beiden Sehenswürdigkeiten reihen sich Restaurants, Tapas-Bars und Tavernen aneinander, die zu einer Kostprobe der bodenständigen Küche der Region einladen. Dass dabei das einheimische Olivenöl eine unverzichtbare Rolle spielt, ist fast überflüssig zu erwähnen. Ein für Zahara de la Sierra typisches Gericht ist der Quemón de Zahara – eine herzhafte, sämige Suppe aus Brot, Paprika und Knoblauch, die den Wandel von einem nahrhaften Mahl für ärmere Leute zu einem begehrten Aushängeschild geschafft hat. Nicht ohne Stolz serviert man auch Käsespezialitäten aus der Sierra de Grazalema.
Um Zahara de la Sierra auf noch bemerkenswertere Weise zu erleben, sollte man sich den Frühsommer vormerken. Anlässlich des Corpus-Christi-Festes verwandelt der ganze Ort sein Aussehen. Die weißen Fassaden verschwinden unter einem üppigen Teppich aus Farnen, Binsen und frischen Zweigen, die die Bewohner mit Hingabe anbringen. Dieses jahrhundertealte Schauspiel ist über die Grenzen der Provinz hinaus bekannt und Teil des nationalen Kulturerbes Spaniens.
Gleich außerhalb des Ortes finden sich viele Möglichkeiten, sich aktiv inmitten der vielgestaltigen Landschaft des Naturparks Sierra de Grazalema zu betätigen. Zu den nachhaltigsten Erlebnissen gehört eine Wandertour in die geheimnisvolle Garganta Verde. Vom Ortsrand bis zum Startpunkt des Wanderweges sind es keine vier Kilometer. Für eine erfrischende Auszeit empfiehlt sich der Stausee Zahara-El Gastor, der sich zu Füßen des Ortes erstreckt. Der See bietet nicht nur eine der wenigen Bademöglichkeiten im andalusischen Binnenland, sondern ist auch beliebt zum Kajakfahren oder Standup-Paddling. Auf der anderen Seite des Sees liegt mit El Gastor ein weiteres malerisches Kleinod voller historischem Zauber.