Der Parque Natural de la Sierra de Huétor liegt zwar ausgesprochen günstig zwischen Granada und Guadix. Allerdings steht das Schutzgebiet buchstäblich im Schatten der berühmten Sierra Nevada und wird daher oftmals schlichtweg übersehen. Dabei lohnt sich ein näherer Blick allemal. Die bewaldete Bergregion ist reich an Wandermöglichkeiten, birgt geheimnisvolle Höhlen und bietet imposante Panoramen der Sierra Nevada.

Der Naturpark erstreckt sich über die namensgebende Sierra de Huétor und mehrere angrenzende Gebirgszüge. Es sind vor allem die tollen Miradores auf den Bergspitzen, die vornehmlich Einwohner Granadas in den Park locken, der mit 120 Quadratkilometern eines der kleinsten Schutzgebiete seiner Art in Andalusien ist. Zu den schönsten Logenplätzen gehören das Cruz de Víznar oder das Cruz de Alfacar, die recht einfach zu erreichen sind. Zu Füßen der markanten Gipfelkreuze bieten sich klassische Postkartenblicke auf die oftmals schneebedeckten Dreitausender der Sierra Nevada.

Ungleich anspruchsvoller ist dagegen der Peñón de la Mata am nördlichen Rand des Parks. Die spektakuläre Kalksteinklippe wirkt wie eine natürliche Festung. Wer sie erklimmt, erlebt eines der vielleicht besten Panoramen der Region. Dazwischen verbirgt sich das ganze Spektrum, das eine typische Karstlandschaft zu bieten hat. Felsige Aufschlüsse, lauschige Quellen und Bachläufe, Dolinen und Dutzende Höhlen. Um die 40 dieser unterirdischen Hohlräume sind in dem Naturpark bisher bekannt, darunter die bemerkenswerte Cueva del Agua, die jedoch zum Schutz nistender Fledermäuse und wegen Steinschlaggefahr abgesperrt ist.

Als Alternativen bieten sich mit der Cueva del Gato (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Höhle in der Nähe von Ronda) und der Cueva de los Marmoles zwei weitere Höhlen ganz in der Nähe an, die begehbar, allerdings weniger imposant sind. Die drei Höhlen liegen übrigens am Wegesrand der Cañada del Sereno. Der etwa elf Kilometer lange Panoramaweg gilt als eine der schönsten Routen durch die Sierra de Huétor, denn er verbindet zahlreiche Aussichtspunkte miteinander. Eine abwechslungsreiche Vegetation verleiht dem Trail den letzten Schliff; besonders malerisch ist es im Frühjahr, wenn wilde Orchideen am Wegesrand blühen.

Überhaupt ist der Naturpark einmal mehr ein Zeugnis für die vielfältige Vegetation Andalusiens. Während vielerorts typisch mediterraner Buschwald mit duftendem Rosmarin, Thymian und Salbei dominiert, zeigen sich in feuchteren Tälern und Schluchten Stein- und Korkeichenwälder, in die sich Kiefern und Zedern mischen. Stellenweise findet sich sogar der für die Region untypische Ahorn, und sogar die seltenen Pinsapo-Tannen konnten sich in kleinen Gruppen halten. In der Abgeschiedenheit der Wälder und zwischen unzugänglichen Felsen ist wiederum eine reiche Fauna heimisch, von Iberischen Steinböcken über scheue Ginsterkatzen bis hin zu Wanderfalken oder Steinadlern.

Für eine Stärkung nach einer erlebnisreichen Tour durch die Sierra de Huétor lohnt sich ein Stopp in der Ortschaft Alfacar am westlichen Rand des Naturparks. Das Bergdorf ist bekannt für sein traditionelles Brot (Pan de Alfacar), das sogar durch eine eigene Herkunftsbezeichnung geschützt ist. Bei der Gelegenheit kann man gleich einen Blick auf die Fuente Grande de Alfacar werfen. Das kostbare Quellwasser leiteten die Mauren über einen kunstvollen Kanal, die Acequia de Aynadamar, bis nach Granada. Nach einer aufwendigen Restaurierung fließt das kostbare Wasser heute wieder bis fast zum Fuße der sagenhaften Alhambra.

Von Granada ist es übrigens nur einen Steinwurf bis zur Sierra de Huétor. Von der Stadtmitte bis zum Besucherzentrum des Parks in den Bergen von Víznar (Centro de Visitantes Puerto Lobo), das sich als erstes Ziel für die Orientierung anbietet, sind es nur etwas mehr als zehn Kilometer. Selbst wenn es nicht geöffnet ist, erweisen sich die aufgestellten Schautafeln und Karten als wertvolle Hilfe.