Etwa 50 Kilometer östlich von Granada und inmitten eines imposanten Ödlandes gelegen, handelt es sich bei Guadix um einen einzigartigen Ort, den man besucht haben muss. Die Kleinstadt, die ansonsten auf eine Geschichte zurückblickt, die viele andere Gemeinden Andalusiens auf ähnliche Weise teilen, punktet mit zahllosen Höhlenwohnungen als Alleinstellungsmerkmal.
Begünstigt durch die Geologie der Region mit weichem, porösem Tuffgestein, grub man Wohnhöhlen in den Untergrund, die seit jeher mit gleichbleibenden angenehmen Temperaturen Schutz vor sommerlicher Hitze und kalten Wintertemperaturen bieten. Nachdem diese Art des Wohnens zwischenzeitlich in Verruf geraten war, sind Höhlenbehausungen heute außerordentlich populär. Wer es sich leisten kann und etwas auf sich hält, lebt in Guadix in einer Höhlenwohnung. Vor allem südlich der Altstadt zeugen die weiß getünchten Schornsteine und Lüftungsöffnungen, die aus dem Boden ragen, von der Existenz dieser besonderen Wohnform. Wie viele dieser ungewöhnlichen Behausungen es in Guadix gibt, kann niemand genau sagen. Ihre Zahl wird auf etwa 2.000 geschätzt.
In dem als Barrio de Cuevas bekannten Viertel gibt es ein Museum, das sich dieser wohl einzigartigen Besonderheit der Stadt widmet (Cueva Museo Centro de Interpretación Cuevas de Guadix). Gleich nebenan, aber auch anderenorts in der Umgebung, kann man in einer Höhle sogar auf authentische Weise übernachten. Zahlreiche Wohnhöhlen wurden zwischenzeitlich in Herbergen für Besucher umfunktioniert und versprechen ein ungewöhnliches Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Verschiedene Aussichtspunkte bieten Gelegenheit, den Blick über das bizarr wirkende Viertel schweifen zu lassen. Der Mirador Cerro de la Bala verheißt ein beeindruckendes Panorama der gesamten Stadt.
Dabei fallen mit der Festungsanlage Alcazaba und der Catedral de la Encarnación zwei imposante Wahrzeichen ins Auge, mit denen sich Guadix ebenfalls als formidables Ausflugsziel empfiehlt. Die Kathedrale versteht nicht nur mit ihren Dimensionen zu beeindrucken. Ihrer langen Bauzeit von fast 300 Jahren ist ein beachtlicher Stilmix zu verdanken, den das Gotteshaus in sich vereint. Von hier aus betritt man durch einen unscheinbaren Torbogen die gute Stube der Stadt, die Plaza Mayor. Der von Bogengängen eingerahmte Platz, der offiziell als Plaza de la Constitución bezeichnet wird, stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist ein prachtvolles Zeugnis der spanischen Renaissance. Die hübsche Casa Consistorial an der Stirnseite beherbergt heute das Rathaus.
Schließlich ist es von hier nicht weit bis zur Alcazaba, die von der maurischen Vergangenheit kündet und das Zentrum von Guadix wuchtig überragt. Die Alcazaba stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde im Laufe der Zeit aber immer wieder umgebaut und geänderten Anforderungen angepasst. Beeindruckend sind die Reste der ursprünglichen Wehranlage allemal.
Gleiches gilt für das Umland von Guadix. Mit ausgedehnten Erosionslandschaften erinnert die Umgebung bestechend an die Badlands, die man vielerorts im Westen der USA findet. All das zusammen macht die rund 20.000 Einwohner zählende Stadt zu einem Ort, für den das Prädikat „einmalig“ keine Übertreibung ist.