Aguilar de la Frontera ist eine bemerkenswerte Kleinstadt im südlichen Teil der Provinz Córdoba, die vor allem für ihre außergewöhnliche Architektur, eine reiche Geschichte als Grenzstadt und die wichtige Rolle in der Weinregion Montilla-Moriles bekannt ist. Ein Besuch lässt sich hervorragend mit dem nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Montilla, dem bemerkenswerten Monturque in der Gegenrichtung sowie weiteren wundervollen Orten der Region verbinden.
Herzstück der Stadt und ein unvergleichliches architektonisches Juwel ist die Plaza de San José. Der Platz mit seinem achteckigen Grundriss wurde Ende des 18. Jahrhunderts entworfen und ist mit dieser Form und dem homogenen spätbarocken Erscheinungsbild in Spanien einzigartig. Von Anbeginn spielte sich hier das örtliche Leben ab, wurden Märkte abgehalten, Stierkämpfe ausgetragen und Prozessionen gefeiert. Daran hat sich wenig geändert; auch heute ist die Plaza de San José als gute Stube der Stadt ein beliebter Treffpunkt nicht nur während der Feierlichkeiten zur Karwoche. Dank der guten Akustik finden hier gern auch Konzerte statt; eine schönere Bühne kann man sich kaum vorstellen.
Dem Architekten Juan Vicente Gutiérrez de Salamanca gelang hier ein Meisterstück, das die ebenfalls auf ihn zurückgehende Torre del Reloj ein paar Ecken weiter fast verblassen lässt. Dabei ist der Uhrturm ein weiteres barockes Aushängeschild der Stadt, das sogar noch einige Jahre älter ist als die Plaza de San José. Der 32 Meter hohe Turm ist mit farbenprächtigen Kacheln verziert und steht in seiner Ästhetik ähnlichen Bauwerken, wie man sie in Antequera oder Écija findet, in nichts nach. Spiegelbild des barocken Erbes der Stadt sind auch die Kirchen und Klöster wie das Convento de las Carmelitas Descalzas mit prächtigen Wandmalereien im Inneren und die Iglesia del Hospital de la Caridad, die für die beiden identischen Barockportale berühmt ist, die ihre Fassade zieren.
Selbst in der Parroquia de Santa María del Soterraño finden sich verspielte Details des Barock. Dabei ist die heutige Hauptkirche im Kern eine spätgotische Festungskirche aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist heute das Bindeglied zwischen der Stadt und dem einstigen Prunkstück, der Burg von Aguilar. Im Mittelalter ein strategisches Bollwerk und eine der bedeutendsten Burgen Spaniens, sind heute nur noch Ruinen vorhanden. Doch auch diese lassen tief in die wehrhafte Geschichte von Aguilar blicken, so dass sich eine Besichtigung lohnt. Obendrein bietet sich vom höchsten Punkt des Ortes ein schöner Rundumblick.
Einen Genuss ganz anderer Art verspricht die einheimische Weintradition. Als einer der bedeutendsten Orte in der Weinregion Montilla-Moriles führt hier an Wein kein Weg vorbei. Die Weinberge rings um Aguilar sind für ihre außergewöhnlich hohen Erträge an Pedro Ximénez-Trauben bekannt, die hier ihre volle Süße entfalten können und in den traditionellen Bodegas der Stadt in aller Ruhe zu dem berühmten Pedro Ximénez ausgebaut werden. Ohne eine Verkostung dieses intensiven Dessertweins ist man nicht wirklich in Aguilar gewesen. Wer mehr über diese preisgekrönte Spezialität erfahren möchte, nimmt am besten an einer Stadtführung mit dem Schwerpunkt Weintradition teil oder besucht einen der örtlichen Weinkeller.