Monturque ist ein Geheimtipp für alle, die den Charme der Vergangenheit auf morbid-geheimnisvolle Weise erleben möchten. Die kleine Gemeinde im Süden der Provinz Córdoba ist berühmt für ihre römischen Zisternen und verkörpert auch sonst ein beeindruckendes Kulturerbe. Sie ist Teil der Weinregion Montilla-Moriles und lässt sich hervorragend mit Nachbargemeinden wie Montilla, Aguilar de la Frontera oder Lucena verbinden.

Das Wunder von Monturque sind seine Cisternas Romanas. Das ausgezeichnet erhaltene Relikt römischer Ingenieurskunst befindet sich verborgen an einem Ort, der ungewöhnlicher kaum sein könnte, unter dem Friedhof San Rafael. Bei seiner Erweiterung im Jahr 1885 stieß man zufällig auf massives Mauerwerk im Untergrund, das sich bei näherer Erforschung als unermesslich kostbarer Schatz der Geschichte herausstellte. Es handelt sich um nichts weniger als die größten römischen Zisternen in ganz Spanien.

Das unterirdische Bauwerk aus dem ersten Jahrhundert nach Christus besteht aus insgesamt zwölf gewölbten Kammern, die über 850.000 Liter Wasser aufnehmen konnten. Steigt man die Treppen hinab, findet man sich in einer feierlichen Stille wieder. Die perfekte Symmetrie der römischen Bögen verleiht diesem Raum unter den Grabnischen des Friedhofs eine beinahe sakrale Anmutung, die kaum in Worte zu fassen ist. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass der Gottesacker von Monturque sogar in die Europäische Route bedeutender Friedhöfe aufgenommen wurde. Mag manch einen beim Besuch dieser Katakomben ein mystisches Gefühl beschleichen, lässt sich dies noch toppen, und zwar jedes Jahr rund um Allerheiligen.

Dann feiert Monturque mit seinem traditionellen Festival Mundamortis eine faszinierende Verbindung von Geschichte und Totenkult. Es ist das erste und einzige Volksfest in Spanien, das sich der Friedhofskultur und dem kulturellen Erbe widmet und mit Lebensfreude und gastronomischen Erlebnissen verwebt. Bei nächtlichen Führungen durch die Zisternen, Friedhofskonzerten und Wettbewerben zeigt sich Monturque auf besonders einprägsame Weise. Während der Festtage gibt es im Ort traditionell Gachas zu essen, die wahlweise als Süßspeise oder auch herzhaft zubereitet werden. Die besten Gachas werden im Rahmen eines Wettbewerbs prämiert.

Jenseits dieser einzigartigen Highlights präsentiert sich die knapp 2.000 Einwohner zählende Ortschaft als typisch andalusische Landgemeinde. Die engen Gassen scheinen unter der fast immerwährenden Sonne zu dösen, nicht weit vom Friedhof erhebt sich am höchsten Punkt des Ortes ein stolzer Bergfried (Torre del Homenaje). Er erinnert an die mittelalterliche Burg, die einst über Monturque wachte. Am Mirador de los Paseíllos schließt sich der Kreis. Hier befinden sich die Reste einer römischen Wandelhalle, die sich nach den Wirren der Zeit jedoch nur noch erahnen lassen.

Dafür bietet sich hier ein so weites Panorama über die Umgebung, dass mancher im Überschwang diesen Aussichtspunkt als „Balkon der Welt“ bezeichnet. Tatsächlich reicht ein Meer aus Olivenbäumen bis zu den Bergen, die sich am Horizont abzeichnen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man hier und da auch einen Weinberg und damit ein untrügliches Zeichen, dass man sich in Monturque noch inmitten der berühmten Weinregion von Montilla-Moriles befindet. Weinliebhaber sollten sich daher mit einem Glas lokalen Weins beschenken oder gleich eine ganze Rundreise auf der Weinroute von Montilla-Moriles unternehmen.