Die Sierra Nevada ist nichts weniger als das Dach Andalusiens. Das höchste Gebirge der Iberischen Halbinsel vereint schneebedeckte Gipfel, Hochebenen und wilde Täler von so außergewöhnlicher Vielfalt, dass man es im Jahr 1999 als Nationalpark unter Schutz stellte. Besonders eindrucksvoll ist der in Europa einzigartige Kontrast zur Umgebung. Während die Höhenlagen im Schnee versinken, herrschen nur wenige Kilometer entfernt in Granada und an der Costa Tropical frühlingshafte oder sogar sommerliche Temperaturen.
Schon aus der Entfernung machen die Gipfel auf sich aufmerksam, die mit ihren Schneekuppen fast unwirklich erscheinen und jedenfalls bei Erstbesuchern der Region für Erstaunen sorgen. Mehr als 15 Berge erreichen Höhen von über 3.000 Metern, darunter der Mulhácen als höchster Gipfel des spanischen Festlandes. Hier können sich Schneefelder mitunter das ganze Jahr über halten. Von Dezember bis März liegt die weiße Pracht selbst in tieferen Gegenden meterhoch und macht die Sierra Nevada zu einem exzellenten Wintersportgebiet, dem südlichsten in ganz Europa.
Die hervorragend erschlossenen Skigebiete rund um das Sierra Nevada Ski Resort locken jedes Jahr zahllose Besucher an, während Abenteurer auf höher gelegenen Routen abseits der stark frequentierten Pisten Ursprünglichkeit pur finden. Vor allem der Kontrast im Frühjahr – tagsüber Abenteuer im Tiefschnee und abends ein Spaziergang im T-Shirt an der Costa Tropical – ist außerordentlich reizvoll.
Die Sierra Nevada ist als Juwel der Natur allerdings das ganze Jahr über ein lohnendes Ausflugsziel. Mit einer wechselvollen Topografie und den verschiedensten Klimazonen bietet das Gebirge auf einer kompakten Fläche eine unbeschreibliche Diversität. Innerhalb der rund 85 Kilometer Länge und bis zu 40 Kilometer breiten Gebirgsregion findet sich alles von Mandel- und Olivenhainen sowie Kiefernwäldern in tieferen Lagen bis hin zu alpinem Trockenrasen, Geröllfeldern und schroffem Fels.
Frühere Gletscher und die beständige Erosion haben Bergrücken und Täler geformt, die einer beeindruckenden Tierwelt ein Refugium bieten. Während Iberische Steinböcke und Füchse die Hochebenen bevölkern, ziehen Steinadler und Gänsegeier zwischen den Gipfeln ihre Bahnen. Kleinere Vogelarten sind ebenso wie Wildkatzen oder Rehe in den tieferen Lagen heimisch. Ebenso angepasst zeigt sich die Flora der Sierra Nevada. In den extremen Lebensbedingungen findet sich so manches Gewächs, das nirgends sonst auf der Welt vorkommt, darunter der Schneestern oder das Nevada-Hornkraut. Im kurzen Sommer hüllen sich die Hochflächen in ein farbenfrohes Blütenmeer, womit sich die Sierra Nevada Pflanzenliebhabern als eine Art riesiger natürlicher botanischer Garten empfiehlt.
All das lässt sich auf 25 offiziellen Wanderrouten erkunden. Verschiedene Trails führen auf den 3.479 Meter hohen Mulhacén und den Pico del Veleta, den mit 3.396 Metern zweithöchsten Berg. Der Lohn für den mühevollen Aufstieg ist ein atemberaubender Blick über die zerklüfteten Bergketten, die sich bis zur Küste erstrecken. Den Gipfelsturm sollte aber nur wagen, wer geübt ist und vor allem gut mit großen Höhen und dem geringeren Sauerstoffgehalt in der Luft zurechtkommt.
Als Alternative bieten sich die sanfteren Routen durch die Alpujarras in den südlichen Ausläufern der Sierra Nevada für ausgedehnte Wanderungen an. Bekannt für malerische Dörfer wie Trevélez oder Capileira, die in diese Region eingebettet sind, findet man hier charmante Gelegenheiten, die Verbindung alpiner Wildnis mit der traditionsreichen Kultur Andalusiens in sich aufzunehmen.