Vielfältige Natur, Geschichte und Tradition im Überfluss und kulinarische Genüsse zum Verlieben gehen in Andalusien ja ohnehin Hand in Hand. In den Alpujarras verdichten sich diese landestypischen Aushängeschilder zu einer unvergleichlichen Essenz. Dass die Region im Süden der Provinz Granada zwischen der Costa Tropical und der Sierra Nevada auch noch im Spannungsfeld von subtropischer Küste und alpiner Bergwelt steht, unterstreicht ihre Einzigartigkeit.
Die Lage dieser Landschaft bedingt ihren Facettenreichtum. Die Alpujarras reichen fast von der Mittelmeerküste mit eher flachem Gelände bis zu den steilen Hängen der Sierra Nevada. Durchzogen von Schluchten, ist das Gelände ebenso abwechslungsreich wie die Tier- und Pflanzenwelt, die die verschiedenen klimatischen Bedingungen ermöglicht. Hübsche Bergdörfer mit ihren Bräuchen und Eigenheiten sind wie weiße Tupfer in diese Region eingebettet und Orte, an denen die reiche Kulturgeschichte der Gegend greifbar ist.
Pittoreske Dörfer wie Pampaneira, Bubión und Capileira oder das berühmte Trevélez sind der sichtbarste Beleg für die reiche maurische Vergangenheit dieses Landstrichs. Den traditionellen Weißen Dörfern mit ihren steilen und verwinkelten Gassen sieht man ihr historisches Erbe auf den ersten Blick an. Die einheimische Architektur ist eines der besten Beispiele für die berberische Bauweise in Europa. Unverwechselbar sind die flachen Schieferdächer mit den markanten, hutartigen Schornsteinen, die eher in Marokko typisch sind. Ebenso charakteristisch sind die Tinaos, traditionelle Überbauungen der Gassen, die zusätzlichen Wohnraum schaffen und gleichzeitig Schutz vor Sonne und Schnee spenden.
So manche Fassade ziert nicht zuletzt einer der handgewebten Jarapa-Teppiche. Diese farbenfrohen Tupfer inmitten des strahlenden Weißes sind Zeugnisse der Webkunst aus der Zeit von Al-Andalus. Ein solcher Teppich eignet sich ebenso als Erinnerung wie andere Kunstgegenstände, die wie zu Zeiten der Nasriden in kunstvoller Handarbeit entstehen.
Weniger offensichtlich, aber nicht minder prägend ist die orientalische Vergangenheit in Form eines ausgeklügelten Bewässerungssystems. Ein jahrhundertealtes Netzwerk aus Acequias (Wasserkanälen) leitet das kostbare Schmelzwasser der Sierra Nevada noch heute auf terrassierte Felder und verwandelt die Alpujarras in eine blühende Oase. Dank des milden Klimas in den tiefer gelegenen Arealen ist die Region ein Garten Eden.
Vieles von dem, was hier angebaut wird, findet seinen kurzen Weg in die regionalen Küchen. Nachhaltigkeit ist hier kein Marketinginstrument, sondern gelebte Wirklichkeit. Überhaupt ist die Gastronomie der Alpujarras eng mit dem Rhythmus der Jahreszeiten verknüpft und bodenständig. Auf kaum einer Speisekarte fehlt das berühmteste Markenzeichen der Region, der legendäre Jamón de Trevélez. In der klaren Bergluft von Andalusiens höchstgelegenem Dorf reift dieser Schinken völlig natürlich und mit viel Zeit zu einer Delikatesse heran, die man weltweit schätzt.
In den Alpujarras lässt sich diese Spezialität auf vielerlei Weise genießen. Eine lokale Berühmtheit ist der Plato Alpujarreño, der den nussigen Schinken mit Lende, Chorizo, Spiegeleiern und Kartoffeln zu einem herzhaften Mahl vereint. Dazu passt ein Dessert, in dem sich nicht selten das orientalische Erbe abermals wiederfindet. Viele Süßspeisen, die nach alten Rezepten bereitet werden, entstehen aus Honig, Mandeln und Feigen aus der Region. Selbst das meist gereichte Mineralwasser kommt von hier, nämlich aus Lanjarón, dem westlichen Tor der Alpujarras.
Gut stärken sollte man sich schon, denn für Outdoor-Erlebnisse in den Alpujarras braucht es eine gute Kondition. Vor allem Wanderungen durch die Gegend sind ebenso anstrengend wie lohnend. Viele zieht es von hier aus in die Höhen der Sierra Nevada. Von Capileira und Trevélez führen populäre Routen auf den Mulhacén, den mit 3.479 Metern höchsten Berg der Iberischen Halbinsel. Daneben hat sich die Region als Hotspot eines sanften Aktivtourismus einen Namen gemacht. Zu den Klassikern zählen Reitausflüge, Rad- bzw. Mountainbike-Touren sowie Kletterpartien.
Die Alpujarras sind übrigens das ganze Jahr über ein attraktives Ziel. Besonders schön ist es im zeitigen Frühjahr, wenn die Mandelblüte die Berghänge in einem zarten rosa-weißen Schleier einhüllt. Die Gegend eignet sich auch für Ausflüge aus der Provinzhauptstadt Granada oder als Ergänzung zu einem Badeurlaub an der Costa Tropical, doch sollte man mehr als nur einen Tagesausflug einplanen, um diese reiche Region in ihren verschiedenen Facetten auskosten zu können.