Mitten im Herzen von Andalusien gelegen, ist Lucena ein Ort, den man erlebt haben muss. Die zweitgrößte Stadt der Provinz Córdoba ist heute zwar landesweit für ihre Möbelherstellung bekannt, doch sie blickt auf eine reiche Geschichte zurück, um die sie viele andere beneiden. Hinter der Fassade des prosperierenden Handelszentrums verbirgt sich ein Erbe, das maurische Lebensart, jüdische Kultur und barocke Pracht umfasst und Lucena zu einem der charaktervollsten Schauplätze der Region macht.

Unverkennbar ist die jüdische Vergangenheit der Stadt, die jener der Provinzhauptstadt Córdoba in ihrer Bedeutung ebenbürtig ist. Im Mittelalter bekannt als Eliossana, gilt Lucena als eines der bedeutendsten jüdischen Zentren der Iberischen Halbinsel jener Zeit und trägt daher den Beinamen „Perle von Sepharad“. Von dem Erbe zeugt die Necrópolis Judía, der größte bekannte Friedhof dieser Art in Spanien. Das Erbe spiegelt sich auch im Grundriss der Altstadt wider, die hier natürlich als Judería bezeichnet wird. Sogar im Alltag zeigt sich der kulturelle Einfluss. So geht das traditionelle Weißen und Reinigen der Häuser vor der Karwoche, das man in Lucena mit besonderer Hingabe pflegt, wahrscheinlich auf ein reinigendes Ritual zum jüdischen Pessach-Fest zurück.

Mehr über einstige Aushängeschilder wie die Talmud-Akademie und die jüdischen Mediziner, die Lucena im Mittelalter zu einem geistigen Zentrum machten, erfährt man in der Sala de la Perla de Sefarad im Castillo del Moral. Die mittelalterliche Festung maurischen Ursprungs ist eines der bedeutendsten Zeitzeugnisse Lucenas. Hinter wuchtigen Mauern und Türmen folgt man den Spuren der christlichen Rückeroberung. Die Burg war Schauplatz einer Zeitenwende. Hier wurde im Jahr 1483 Boabdil, der letzte Herrscher Granadas, nach seiner Gefangennahme zeitweise festgesetzt. Heute verbirgt sich hier das Archäologische Museum.

Dass Lucena später zu enormem Reichtum gelangte, zeigt sich bei einem Streifzug durch die barocken Schätze der Stadt. Allen voran der Palacio de los Condes de Santa Ana. Dieses architektonische Juwel besticht mit kunstvollen Innenhöfen und prächtigen Fassaden. Die Parroquia de San Mateo beherbergt zudem eine der schönsten Sakristeien des andalusischen Barocks. Ein weiteres Glanzlicht barocker Baukunst findet sich im Inneren der Iglesia de San Juan Bautista. Mit schneeweißen Stuckverzierungen und erlesenen Marmorarbeiten ist die Kapelle eines der prunkvollsten Beispiele des andalusischen Spätbarocks der Provinz. Charakteristisch ist übrigens der rötlich gemaserte Marmor, der aus dem nahegelegenen Cabra stammt.

Auch bei der Gastronomie greift man in Lucena seit jeher auf bewährte Erzeugnisse aus der Region zurück. Zum gastronomischen Selbstverständnis gehören neben Wein aus dem benachbarten Anbaugebiet Montilla-Moriles exzellente Olivenöle, die natürlich ebenfalls in der Umgebung gewonnen werden. Welchen Stellenwert der Anbau der Ölfrüchte hier hat, wird einem erst richtig bewusst, wenn man den Blick über die endlosen Olivenhaine schweifen lässt.

Am besten geht das bei einem Ausflug zum Santuario de Nuestra Señora de Araceli. Die kleine Wallfahrtskirche thront auf der Spitze der Sierra de Aras gleich südlich der Stadt. Das Plateau bietet ein umwerfendes Panorama, das weit und breit einzigartig ist. Bei klarer Sicht reicht der Blick in gleich fünf Provinzen hinein.