Der Palacio de los Condes de Santa Ana ist eines der historischen Bauwerke, denen Lucena seinen Ruf als Barockstadt verdankt. Hinter seiner ohnehin schon repräsentativen Fassade taucht man ein in eine Welt aus Marmordekor, eleganten Höfen und barocker Pracht, die den Wohlstand der Stadt im 18. Jahrhundert zeigt. Heute zählt der Palast zu den wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten Lucenas. Besonders praktisch ist, dass hier auch das örtliche Tourismusbüro seinen Sitz hat.

Bereits die Schaufassade mit dem monumentalen Hauptportal in der Calle San Pedro unterstreicht den herrschaftlichen Anspruch seiner Bauherren. Gefertigt aus dem charakteristischen rötlichen Marmor der nahegelegenen Steinbrüche von Cabra, zählt es zu den auffälligsten barocken Fassadenelementen der Region. Durch den Eingang betritt man ein Gebäudeensemble, das sich um zwei großzügige Innenhöfe anordnet. Vor allem der hintere Patio mit seinem zentralen Marmorbrunnen ist ausgesprochen malerisch. Arkadengänge, Marmorsäulen und die ausgewogenen Proportionen verleihen dem Anwesen eine repräsentative und harmonische Ausstrahlung.

Ein prächtiges Detail ist die Haupttreppe des Hauses. Historische Azulejos aus Sevilla schmücken die Stufen, während sich über dem Aufgang eine kunstvoll ausgestaltete Kuppel voller filigraner Stuckdekoration ausbreitet, die man in dieser Form selbst in herrschaftlichen Palästen selten findet.

Erbaut wurde der Palast zwischen 1730 und 1750 für die Familie Mora-Saavedra, eine der einflussreichsten Familien Lucenas, die wenige Häuser weiter mit der Casa de los Mora ein weiteres prunkvolles Anwesen besaß. Um Verwechslungen zu vermeiden, erhielt der Palacio de los Condes de Santa Ana seinen Namen in Anlehnung an den Adelstitel, den die spanische Krone der Familie später verlieh.

Heute beherbergt das Gebäude das Interpretationszentrum der Stadt. Einen Ehrenplatz hat eine lebensgroße römische Marmorstatue des Gottes Eros aus dem 2. Jahrhundert. Die Skulptur kam bei Arbeiten im Untergeschoss des Palastes zum Vorschein und erinnert daran, dass die Geschichte des Palacio de los Condes de Santa Ana und der Stadt im Allgemeinen weit tiefer reicht als die barocke Pracht vermuten lässt.