Cabra ist mit seinen rund 20.000 Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Orte in der Provinz Córdoba, aus touristischer Sicht jedoch beinahe Niemandsland. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lohnt sich ein näherer Blick. Denn wie so oft in Andalusien, erwartet Besucher auch hier eine Mischung aus traditionellem Landleben, einem reichen Kulturerbe und einer herrlichen Umgebung voller Erlebnisse. Darunter ist auch so manche Überraschung.
So lohnt sich ein Spaziergang durch das historische Viertel El Cerro mit seinen verwinkelten Gassen und reichlichem Blumenschmuck schon allein, um das typisch andalusische Ambiente in sich aufzunehmen. Doch der älteste Teil Cabras lohnt sich vor allem deshalb, weil er mit der Iglesia de San Juan Bautista eine historische Sensation beherbergt. Die unscheinbare Kirche ist ein kostbares Zeugnis aus der Frühzeit des Christentums. Sie wurde um das Jahr 650 erbaut und ist damit eines der ältesten erhaltenen Gotteshäuser Spaniens.
Ein umwerfendes Gegenstück zu der archaischen Schlichtheit bildet nur wenige Gehminuten entfernt die Iglesia de la Asunción y Ángeles. Das Innere der heutigen Hauptkirche hüllt seine Besucher in eine Pracht des andalusischen Barocks. Faszinierend sind die 44 Säulen aus rotem Marmor, der aus der Umgebung stammt und Cabra bekannt machte. Der markante Stein findet sich zum Beispiel in Prunkbauten im nahen Lucena und sogar in der weltberühmten Mezquita-Catedral de Córdoba wieder.
Der edle rötliche Schimmer des heimischen Marmors begegnet einem im Stadtzentrum auf Schritt und Tritt. Er zieht sich buchstäblich wie ein roter Faden durch das gesamte Stadtbild und ziert die Portale zahlreicher Adelshäuser und das Castillo de Cabra. Unveredelt und in seiner natürlichen Ursprungsform zeigt sich das Material am Stadtrand an der Fuente del Río. Mit geschultem Blick entdeckt man die fossilen Einschlüsse im Gestein an einem der lauschigsten Orte von Cabra.
Der Quellort steht wie ein Sinnbild für den Wasserreichtum, für den die Stadt bekannt ist. Das Regenwasser, das die von Karst geprägte Landschaft der Region wie ein Schwamm speichert, tritt an unzähligen Stellen hervor. Überall in den Gassen Cabras begegnet man deshalb plätschernden Brunnen, die mit ihrer oft malerischen Gestaltung das Stadtbild zieren und den Ort in eine erfrischende Geräuschkulisse tauchen.
Der Naturpark Sierras Subbéticas ist eine wundervolle Gegend, die sich östlich von Cabra ausbreitet und voller Wandermöglichkeiten, Naturschönheiten und Erlebnisse steckt. Von der Stadt aus lohnt sich ein kurzer Ausflug zum Santuario de la Virgen de la Sierra. Die Kapelle zu Ehren der Schutzpatronin der Stadt thront auf einer Bergspitze und ist nicht nur ein Ort innerer Einkehr inmitten der Natur. Die Kapelle selbst und der benachbarte Mirador de las Sierras Subbéticas bieten einen herrlichen Blick über Cabra, die Hügel rings um die Stadt voller Olivenbäume und die Berge der Region.
Für Touren in die Bergwelt eignet sich als Proviant das traditionelle Pan de Higo (Feigenbrot), für dessen Herstellung Cabra überregional bekannt ist. Ursprünglich diente die Spezialität aus getrockneten Feigen, Mandeln und Gewürzen als Imbiss während der Feldarbeit, heute liefert sie Wanderern Energie, um ihre Abenteuer zu bestehen. Um in die kulinarische Seele des Ortes einzutauchen, bestellt man am besten Espinacas con Garbanzos (Spinat mit Kichererbsen) oder Revoltillos de Cabra (Rührei mit Ziegenkäse). An heißen Sommertagen genießt man hier auch den für Córdoba typischen Salmorejo.