Unter den sagenhaften Weißen Dörfern von Andalusien ist Setenil de las Bodegas einzigartig. Die Ortschaft auf halbem Weg zwischen Ronda und Olvera ist berühmt für ihre Höhlenbehausungen, die sich unter mächtigen Felsüberhängen in einer Schlucht inmitten des landestypischen weißen Häusermeeres ducken. Diese malerische Symbiose aus Wildnis und Lebensraum macht Setenil de las Bodegas zu einem der schönsten Dörfer in ganz Spanien und einem der meistbesuchten Orte der Region.

Schon der Name weckt Neugier. Er ist ebenso geschichtsträchtig wie seine Architektur. Setenil ist aus dem Lateinischen entlehnt und bedeutet in etwa „siebenmal nichts“ – ein untrüglicher Fingerzeig auf die sieben gescheiterten Belagerungsversuche der christlichen Truppen während der Rückeroberung. Der Zusatz „de las Bodegas“ wurde erst später ergänzt, als das Dorf für seine Weinkeller (Bodegas) berühmt wurde, die man praktischerweise in den kühlen Felsnischen einrichtete.

Heute sind die Bodegas Läden und urigen Tavernen gewichen und bilden den touristischen Mittelpunkt des Ortes. Die beiden Gassen Calle Cuevas del Sol und Calle Cuevas de la Sombra, die in der Schlucht dem Ufer des Río Trejo folgen und die gewaltigen Felsüberhänge unterqueren, sind stets stark frequentiert. Das Ensemble aus den Felsüberhängen voller Ranken, den kunstvoll eingepassten Gebäuden und dem üppig bewachsenen Bachbett bietet ausgesprochen malerische Fotomotive. Selbst die lichteren Abschnitte, in denen strahlend weiß getünchte Häuser die Schlucht einrahmen, haben ihren Reiz. Auf den einladenden Terrassen, die bis an den Bachlauf heranreichen, möchte man am liebsten Platz nehmen.

Hier findet sich reichlich Gelegenheit, die Köstlichkeiten der örtlichen Gastronomie zu probieren. Ein Klassiker sind die Sopas Cortijeras. Diese gehaltvolle Suppe wird aus Brot, Olivenöl, Ei und frischem Wildspargel aus den umliegenden Bergen zubereitet. Auch regionale Fleisch- und Wurstspezialitäten oder Ziegenkäse aus der Sierra de Grazalema finden sich auf fast jeder Speisekarte. In der schattigen Geborgenheit der Felsenschlucht lässt es sich gerade an heißen Tagen besonders gut aushalten, allerdings geht es hier auch sehr touristisch und lebhaft zu. Für ein noch authentischeres Erlebnis begibt man sich einfach in die ruhige Oberstadt.

Dieser Teil von Setenil de las Bodegas verspricht nicht nur authentisches Dorfleben, sondern einen völlig anderen Blick auf den Ort. Über den Dächern thront die mächtige Iglesia de Nuestra Señora de la Encarnación, die auf den Fundamenten einer maurischen Moschee ruht. Gleich daneben erinnert die Torre del Homenaje an die wehrhafte Vergangenheit von Setenil. Der Bergfried der einstigen Almohaden-Festung ist ein unverkennbares Relikt der maurischen Vergangenheit.

Der hier befindliche Mirador del Lizón verspricht einen wunderschönen Blick auf das weiße Häusermeer, das sich zu beiden Seiten der Schlucht terrassenförmig an die Hänge schmiegt. Mit ihrem vollständig als nationales Kulturerbe unter Denkmalschutz stehenden Kern ist die Ortschaft ein lohnender Höhepunkt an der Route der Weißen Dörfer.