Mit den Ruinen von Acinipo verbirgt sich auf einem kargen Kalksteinplateau nördlich von Ronda eine der bemerkenswertesten archäologischen Ausgrabungsstätten Andalusiens. Inmitten einer weiten Hochebene liegen die verstreuten Zeugnisse einer römischen Stadt, die als Vorgänger des heutigen, nur 20 Kilometer südlich gelegenen Ronda gilt und daher häufig auch als „Ronda la Vieja“ (Altes Ronda) bezeichnet wird.
Weithin sichtbarer Blickfang und unbestrittener Mittelpunkt von Acinipo ist das römische Theater aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, das zu den ältesten bekannten Anlagen dieser Art auf der Iberischen Halbinsel zählt. Die römischen Erbauer nutzten das natürliche Gelände geschickt aus und meißelten die Sitzreihen direkt in den gewachsenen Fels, sodass sich das Bauwerk fließend an die Hangform anschmiegt. Bis heute ragt die weitgehend erhaltene Bühnenwand mit ihren antiken Bögen monumental in den andalusischen Himmel.
Das Besondere: Dieses geschichtsträchtige Rund wird gemäß seiner ursprünglichen Bestimmung tatsächlich wieder mit Leben gefüllt. Gelegentlich finden vor der eindrucksvollen Kulisse sommerliche Theateraufführungen statt, die an die Jahrtausende alte Tradition des Ortes anknüpfen. Ein schöneres, dramatischeres Ambiente für eine Aufführung kann man sich kaum ausmalen, wenn die Stimmen der Schauspieler zwischen den antiken Mauern widerhallen und die Bergwelt als dramatischer Hintergrund dient.
Dass die antiken Architekten hier oben ein so prachtvolles Theater errichten konnten, verdankte die Stadt ihrer einstigen wirtschaftlichen Blüte. Die Siedlung reicht in ihren Ursprüngen zwar bis in die Kupferzeit zurück, entwickelte sich aber unter römischer Herrschaft im ersten Jahrhundert nach Christus zu einem wohlhabenden, regionalen Zentrum. Dank seiner Bedeutung hatte Acinipo sogar das seltene Privileg einer eigenen Münzprägung. Münzen und andere Relikte, die man hier fand, sind heute in Museen wie dem Palacio de Mondragón in Ronda zu bewundern.
Neben dem Theater sind im gesamten Gelände weitere Strukturen erkennbar, die vom einstigen Acinipo berichten. Dazu gehören Reste von Wohnbereichen, öffentlichen Gebäuden und Thermen. Ihre Fundamente und Grundmauern sind teilweise noch vorhanden, lassen die einstige Stadtstruktur jedoch meist nur noch erahnen. Ohnehin ruht der weitaus größte Teil der antiken Metropole bis heute unberührt unter dem Gras der Hochebene. Experten schätzen, dass mehr als 80 Prozent der Stadt noch völlig unentdeckt im Untergrund schlummern.
Dieses geheimnisvolle Unbekannte trägt zum Reiz eines Ausflugs nach Acinipo ebenso bei wie der Blick, der bei einem Spaziergang auf geschichtsträchtigem Boden zwangsläufig durch die Weite der Umgebung wandert.