Benaoján als Andalusiens Hauptstadt der Höhlen zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Den Ort inmitten einer ausgeprägten Karstlandschaft umgeben zahlreiche unterirdische Hohlräume. Darunter ist die berühmte und kulturhistorisch außerordentlich bedeutende Cueva de la Pileta, die Benaoján viele Besucher beschert. Ein Ausflug in den westlichen Nachbarort von Ronda lohnt sich aber auch, um ihn als das zu erleben, was er eigentlich ist – eines von Andalusiens typischen Weißen Dörfern.
Benaoján zeigt sich sogar sehr authentisch, denn von den Besuchern, die auf die magische Unterwelt der Gegend aus sind, verschlägt es nur wenige in den Ortskern. Von dem unverfälschten Flair überzeugt man sich am besten auf der Plaza de la Constitución. Der traditionelle Hauptplatz liegt normalerweise ruhig und beschaulich da und scheint unter der andalusischen Sonne zu dösen. Nur während Feierlichkeiten wie zum Karneval oder während der Osterwoche geht es hier turbulent zu. Wenn die österlichen Prozessionen in der angrenzenden Kirche Nuestra Señora del Rosario einlaufen, spürt man, wie lebhaft es in Benaoján doch eigentlich zugeht.
Einen Blick in die barocke Hauptkirche als eigentliche Sehenswürdigkeit des Ortes sollte man sich ebenso wenig entgehen lassen wie die Einkehr in einer der traditionellen Gastwirtschaften. Hier führt am Lomo en Manteca kein Weg vorbei, der typischen Spezialität des Ortes. Im eigenen Schmalz sanft ausgebacken, ist die Schweinelende eine herzhafte Delikatesse, die ihre Wurzeln in der Zeit vor der Erfindung des Kühlschranks hat. Auch für seine Würste, die in Benaoján hergestellt werden, ist der Ort berühmt. Hiermit kann man sich hervorragend stärken, um die Umgebung zu erkunden.
Jenseits der typisch weißen Häuserzeilen wartet schließlich Benaojáns wahre Faszination, seine geheimnisvolle Unterwelt, die sich in den Bergrücken aus grauem Kalkstein verbirgt. Unbestrittenes Highlight und ein kulturhistorisches Schwergewicht von Weltrang ist die Cueva de la Pileta. Die Höhle südlich des Ortes beherbergt eine prähistorische Schatzkammer, die zu den berühmtesten urzeitlichen Fundstätten Europas gehört. Der Anblick jahrtausendealter Malereien von Tierfiguren ist ein ehrfurchtsvolles Erlebnis.
Einen umwerfenden Kontrast hierzu verspricht die Cueva del Gato. Aus ihrem finsteren Schlund heraus ergießt sich ein eiskalter Gebirgsfluss in einen glasklaren See. Das Naturdenkmal bildet nicht nur die Kulisse für beeindruckende Fotos, sondern verspricht an heißen Tagen eine ausgesprochen erfrischende Abkühlung. Das Wasser des Sees erwärmt sich auf nicht mehr als zwölf Grad Celsius. Der Höhlenausgang selbst ist öffentlich zugänglich. Das dahinter liegende verzweigte Höhlensystem ist jedoch aus Sicherheitsgründen abgesperrt und das Betreten ohne Genehmigung untersagt.
Zum Eingang dieses Systems, der sich ein kurzes Stück nördlich von Benaoján auf dem Gebiet des Nachbarortes Montejaque befindet, gelangt man zum Glück auch oberirdisch. Bekannt als Cueva del Hundidero, ist die gewaltige Öffnung sogar ein beliebtes Ausflugsziel, das sich mit einem skurrilen Relikt aus den 1920-er Jahren verbinden lässt, dem niemals in Betrieb gegangenen Staudamm von Montejaque. Sein Bau gilt als einer der größten technischen Reinfälle seiner Zeit. Die geplante Talsperre konnte sich nicht füllen, da das Wasser im porösen Karstboden verschwand und durch die Höhlen der Gegend abfloss. Heute steht die Staumauer als technisches Denkmal in der Landschaft und lädt Wagemutige zu einem Spaziergang über die schmale Krone mit Blick in ein beeindruckendes Schluchtenpanorama ein.