Wo mit der Sierra de Grazalema und Los Alcornocales zwei bemerkenswerte Naturparks Andalusiens aneinanderstoßen, breitet sich das geschäftige Städtchen Ubrique aus. Eingerahmt von schroffen Felsen und umgeben von zahllosen Naturschönheiten, ist der Ort wie geschaffen als Basislager für Exkursionen durch die wundervolle Bergwelt. Mit 17.000 Einwohnern eines der bedeutendsten Weißen Dörfer, findet sich hier eine umfassende Infrastruktur, und zu entdecken gibt es innerhalb der Stadtgrenzen auch etwas.
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist das Ledermuseum des Ortes. Eingerichtet in einem ehemaligen Kapuzinerkloster, macht das Museo de la Piel vertraut mit der Kunst der Lederherstellung. Dass man diesem Handwerk ausgerechnet in Ubrique ein ganzes Museum widmet, hat seinen Grund. Die Stadt ist nichts weniger als das Zentrum der spanischen Lederherstellung, die ihren Ursprung in maurischen Zeiten hat. Bis heute entstehen hier feinste Kreationen für internationale Luxusmarken.
Abseits der Werkstätten, die einen Hauch von weiter Welt nach Ubrique wehen, zeigt sich die Stadt bodenständig und so traditionell, wie man sich einen typischen Ort an der Route der Weißen Dörfer vorstellt. Vor allem die denkmalgeschützte Altstadt hat nichts von ihrem maurischen Ambiente eingebüßt. Die Gassen, Ecken und Winkel rings um die malerische Plaza de la Verdura laden zum Spazieren ein. Voller schöner Fotomotive wie blumengeschmückten Fassaden oder dem hübschen Glockenturm der Parroquia Nuestra Señora de la O, duckt sich das Viertel, das lokal als Ubrique Alto bezeichnet wird, förmlich unter den steilen Kalksteinfelsen, die sich gleich hinter den blendend weiß gestrichenen Häusern auftürmen. Vom Aussichtspunkt Mirador Ubrique Alto erlebt man schließlich einen schönen Blick über das historische Ensemble.
Wer der Geschichte von Ubrique tiefer auf den Grund gehen möchte, schaut am besten im Centro de Interpretación de la Historia de Ubrique vorbei. Eingerichtet in der historischen Ermita de San Juan de Letran, öffnet das Geschichtsmuseum das Tor in die römischen Ursprünge des Ortes. Auf den antiken Spuren kann man im Norden von Ubrique auch höchstpersönlich wandeln. Dort lädt die Ausgrabungsstätte der römischen Villa Ocuri zu einer Zeitreise ein.
Ein weiteres Erlebnis verspricht der Camino rural Ubrique-Benaocaz, der Historie und Natur vereint. Lokal als Calzada Romana (Römerstraße) bekannt, ist der alte Verbindungsweg nach Benaocaz entgegen einer landläufigen Annahme wahrscheinlich nicht römischen Ursprungs, sondern ein mittelalterlicher Handelsweg. Dies ändert allerdings nur wenig am historischen Reiz der Route und der damit verbundenen Faszination. Die historische Pflasterung, die allerdings stabiles Schuhwerk erfordert, und die imposante Naturkulisse machen die Wanderung durch die Sierra de Grazalema zu einem Höhepunkt.