Wer bei einer Reise auf der Route der Weißen Dörfer einen Ort voller Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, sollte auf jeden Fall einen Blick nach Benaocaz werfen. In dem 700 Einwohner zählenden Bergdorf scheint die Zeit zu stehen, und kaum jemand verirrt sich hierher. Dabei wartet das traditionelle Weiße Dorf neben hübschen Ortsansichten mit einigen interessanten Sehenswürdigkeiten und einer traumhaften Umgebung auf.

Geschichtsfans werden das Barrio Nazarí lieben. Von dem einstigen maurischen Viertel aus dem 13. Jahrhundert existieren zwar nur noch Ruinen, aber mit seinen Feldsteinmauern umgibt diesen Ort, der einer Geisterstadt gleicht, ein besonderer Zauber. Nur eine Ecke weiter findet man sich mitten im beschaulichen Leben eines typisch andalusischen Dorfes wieder, das allerlei Fotomotive bietet. Ein hübsches Kleinod ist die Plaza de Las Libertades mit der barocken Rathausfassade.

Auf dem zentralen Platz treffen sich die Einheimischen zu einem Plausch, oder sie kommen in der Parroquia de San Pedro zum Gottesdienst zusammen. Obgleich der Kirchturm, ein früheres Minarett, die Silhouette des Dorfes bestimmt, ist es gar nicht einfach, sie in den weiß getünchten Gassen auszumachen. Für Besucher lohnt sich hier ein Fotostopp ebenso wie an der Ermita de San Blas mit ihrem verspielt wirkenden Glockenaufsatz.

Diese drei Orte sind die zentralen Schauplätze der einheimischen Folklore, die man in einer derartigen Vielfalt in einem solch kleinen Dorf gar nicht vermuten würde. Vor allem bei den Feierlichkeiten im Februar zu Ehren von San Blas, einem der einheimischen Schutzpatrone, während der Osterwoche oder zur Kirmes im August verwandelt sich das ruhige Dorf in eine temperamentvolle Bühne, die das Leben zelebriert. Bei diesen Anlässen bietet sich Gelegenheit, Traditionen auf authentische Weise zu erleben.

Benaocaz ist überdies perfekt, um in die umwerfende Natur des andalusischen Berglandes einzutauchen. Der Ort liegt innerhalb des Parque Natural Sierra de Grazalema, der für seine landschaftliche Schönheit und ausgezeichneten Wandermöglichkeiten bekannt ist. Eine davon beginnt mit dem Sendero Salto del Cabrero direkt am Ortsrand und hat einen markanten Aussichtspunkt mit Blick auf den imposanten Salto del Cabrero zum Ziel, eine Einkerbung zwischen zwei schroffen Felsmassiven. Auf der Calzada Romana, einer spannenden Route ins nahegelegene Ubrique, durchquert man den imposanten Naturraum auf einem historischen Pfad, der den Römern zugeschrieben wird, tatsächlich aber wohl erst aus dem Mittelalter stammt.

Übrigens: Für das wohl schönste Panorama von Benaocaz geht man zur Ermita del Calvario, die im Süden des Ortes einen Bergrücken krönt. Hier liegt einem das weiße Häusermeer inmitten rauer Berge zu Füßen.