Algeciras ist bekannt für seinen riesigen Containerhafen, der die Silhouette ebenso dominiert wie die Hochhäuser, in denen mancher der insgesamt 120.000 Einwohner lebt. Für viele Reiseführer ist das schon Grund genug, die Stadt am südlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel allenfalls am Rand zu erwähnen. Dabei liegt in dem Image als Industriestadt ein gewisser Reiz. Denn wer diesem Ruf trotzt, wird wahrscheinlich die eine oder andere Überraschung erleben.
Das Herz von Algeciras schlägt an der Plaza Alta. Der Hauptplatz der Altstadt zu Füßen der barocken Kirche Nuestra Señora de la Palma mit ihrem markanten Uhrturm ist mit farbenfrohen Kacheln geschmückt und einer der ersten Orte, um jedes Vorurteil zu widerlegen. Bänke im Schatten von Palmen und Cafés laden zum Verweilen ein, während die unscheinbare Capilla de Nuestra Señora de Europa ihre Tür für eine kleine Andacht öffnet. Ein Blick in die umliegenden Viertel zeigt ein authentisches Stück Spanien, dem der Massentourismus fremd ist. In den verzweigten Gassen des Barrio de San Isidro etwa kann man sich trefflich in typisch andalusischem Flair verlieren, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
Auch mit dem Flamenco, einem der bekanntesten Aushängeschilder Andalusiens, ist Algeciras auf besondere Weise verbunden. Die Stadt ist Geburtsort des berühmten Flamenco-Gitarristen Paco de Lucía. Dem vielleicht berühmtesten Sohn der Stadt ist ein eigenes Interpretationszentrum gewidmet, von dem ein Rundgang zu wichtigen Wirkungsstätten führt. Fragmente der historischen Stadtbefestigung bekommen Geschichtsinteressierte im Parque Arqueológico de las Murallas Meriníes zu Gesicht. Doch braucht es hier schon etwas Vorstellungskraft, um sich die einst gewaltigen Dimensionen der Anlage auszumalen. Wissenswertes zur Historie findet sich natürlich auch im Museo Municipal de Algeciras. Die Stadt war bereits zu Zeiten der Römer ein wichtiger Hafen.
Höchst lebendig geht es im Mercado de Abastos zu, einer Institution, die man weit über die Stadtgrenzen hinaus schätzt. Unter einer denkmalgeschützten Kuppel aus den 1930-er Jahren breitet sich eine Markthalle aus, die für ihre geschäftige Atmosphäre ebenso berühmt ist, wie für die frischen Waren, die hier den Besitzer wechseln. Dies ist einer der besten Orte, um lokales Kolorit hautnah zu spüren.
Mit seinem angenehmen Klima lädt Algeciras natürlich dazu ein, draußen zu sein. Einen Tag am Meer kann man an einem der Stadtstrände verbringen. Nach Norden hin erstreckt sich die Playa del Rinconcillo, während sich südlich die Playa de Getares ausbreitet. Beide Strände bieten einen imposanten Blick auf den Felsen von Gibraltar, der sich keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt jenseits der Bucht von Algeciras erhebt und ein lohnendes Ausflugsziel ist. Naturliebhaber finden landeinwärts mit dem Naturpark Los Alcornocales eine Landschaft, die für ihre ausgedehnten Korkeichenwälder berühmt ist.
Nicht zuletzt ist Algeciras eines der wichtigsten Tore nach Afrika. Von hier pendeln Fähren unter anderem in die spanische Exklave Ceuta und nach Tanger. Für einen Kurztrip auf die andere Seite des Mittelmeeres stehen somit verschiedene interessante Optionen zur Verfügung. Eine reizvolle Alternative bietet zudem das nahegelegene Tarifa am südlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel.