Tarifa ist nicht nur bekannt als die südlichste Stadt auf dem europäischen Festland, sondern gilt als ausgesprochenes Paradies für Surfer. Während die Lage an der schmalsten Stelle der Meerenge zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer heute ideale Bedingungen hierfür bereitet, erweist sie sich auch historisch als Glücksfall. Denn ihre einstige Rolle als strategisches Bollwerk beschert der Stadt ein reiches Erbe, das an jeder Ecke spürbar ist.

Das markanteste Zeugnis der wehrhaften Vergangenheit ist zweifellos das Castillo de Guzmán el Bueno. Die wuchtige Festung überragt den Hafen von Tarifa und prägt seit dem 10. Jahrhundert die Silhouette der Gegend. Heute beherbergt sie ein modernes Museum, das die Bedeutung und wechselvolle Geschichte Tarifas erlebbar macht. Beliebt ist ein Rundgang über die Wehrgänge und zu den restaurierten Türmen, der bemerkenswerte Ausblicke verspricht.

Gleich hinter der Burg breitet sich Tarifas kompakte Altstadt aus. Innerhalb der mächtigen Stadtmauern, deren Wehrhaftigkeit an Orten wie der Puerta de Jerez oder der Muralla de la Aljaranda noch immer abzulesen ist, findet sich das traditionelle Herz der Stadt. Mit ihrem typischen Labyrinth aus schmalen Gassen, weiß gekalkten Fassaden und lauschigen Winkeln verströmt das Zentrum noch immer den maurischen Charme, um den man viele Orte Andalusiens beneidet.

Dass die barocke Fassade der Iglesia de San Mateo Apóstol in diesem Ensemble etwas fremd wirkt, ist ein verschmerzbarer Makel, zumal sie imposant anzusehen ist. Vollends zur Nebensache gerät dies, wenn sich in den Abendstunden die Straßen und Plätze füllen und die Stadt zu ihrem Nachtleben erwacht, das weit jenseits ihrer Grenzen geschätzt wird. Dann bevölkern nicht nur die Einheimischen Freiterrassen und urige Tapas-Bars, sondern ein bunt gemischtes Publikum aus aller Welt, das dem altehrwürdigen Rahmen ein internationales Flair beschert.

Viele ausländische Besucher kommen ohnedies in erster Linie wegen der tollen Bedingungen zum Surfen. Seinen hervorragenden Ruf verdankt Tarifa den beständig wehenden Winden. Bekannt als Levante und Poniente, geben sie die Gewähr, dass die Segel zahlloser Wind- und Kitesurfer fast das ganze Jahr über das Bild der Küste mit ihren endlos scheinenden Sandstränden prägen. Vor allem die Playa de Los Lances ist unter Surfern wie Sonnenanbetern eine unumstößliche Größe.

Nicht entgehen lassen darf man sich natürlich die Isla de las Palomas. Die kleine Insel ist über einen kurzen Damm mit dem Festland verbunden und markiert den südlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel. Ein Fototermin im Schatten des historischen Leuchtturms, der das Eiland an der Nahtstelle von Atlantischem Ozean und Mittelmeer krönt, ist ebenso Pflicht wie der Blick über die Straße von Gibraltar nach Afrika.

Der Nachbarkontinent scheint nicht nur zum Greifen nah, sondern ist es tatsächlich. Gerade einmal 14 Kilometer trennen Tarifa von Marokko und machen die Stadt seit jeher zu einem Ort des intensiven kulturellen Austauschs. Wer mag, schwingt sich im geschäftigen Hafen von Tarifa einfach auf eine der regelmäßig pendelnden Fähren, die die Meerenge in nur einer Stunde überqueren. EU-Bürger benötigen für den spontanen Sprung nach Tanger lediglich einen gültigen Reisepass.

Zumindest jedoch sollte man sich einen Ausflug aufs Meer zur Walbeobachtung gönnen. Whale-Watching-Touren gehören schließlich zu den Highlights, mit denen Tarifa ebenfalls bei seinen Besuchern punkten kann. In den fischreichen Gewässern der Meerenge lassen sich mit Glück Delfine, Grindwale und sogar majestätische Orcas in ihrem natürlichen Lebensraum bestaunen.

Außerdem bietet sich Tarifa als Sprungbrett für Ausflüge in die Umgebung an, die ebenfalls in Erinnerung bleiben. Im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend ist der Naturpark Parque Natural del Estrecho, der sich zu beiden Seiten Tarifas erstreckt. Zu den bemerkenswerten Zielen gehören die beeindruckenden römischen Ruinen von Baelo Claudia und die Playa de Bolonia mit ihrer riesigen Sanddüne, einem der meistfotografierten Naturwunder der Region.