Die Real Parroquia de Señora Santa Ana gehört zu den bedeutendsten Kirchen Sevillas und wird von den Bewohnern des traditionsreichen Viertels Triana bis heute ehrfürchtig als „Kathedrale von Triana“ bezeichnet. Obwohl sie im Schatten der monumentalen Kathedrale auf der anderen Seite des Guadalquivir steht, lohnt sich ein Besuch auch aus touristischer Sicht. Das Gotteshaus vermittelt einen authentischen Eindruck von der Geschichte, Kultur und Identität dieses besonderen Stadtteils.
Die Kirche geht auf König Alfons X. den Weisen zurück, der den Bau im Jahr 1266 als Dank für die Heilung einer schweren Augenkrankheit veranlasste. Damit zählt Santa Ana zu den ältesten christlichen Kirchen Sevillas nach der Rückeroberung der Stadt. Besonders bemerkenswert ist ihre Architektur, in der sich christliche und islamische Bautraditionen verbinden. Bis heute prägt das Bauwerk das Erscheinungsbild des Viertels. Wehrhaft wirkende Zinnen erinnern daran, dass Triana damals noch außerhalb der schützenden Stadtmauern lag und häufig Gefahren ausgesetzt war.
Im Inneren erwartet Besucher ein überraschend ruhiger und zugleich atmosphärischer Kirchenraum. Das dreischiffige Langhaus verbindet die klare Geometrie der Gotik mit dekorativen Elementen im Mudéjar-Stil und ist mit bemerkenswerten Kunstschätzen ausgestattet. Zu den bedeutendsten Werken zählt das monumentale Hauptaltarretabel aus dem 16. Jahrhundert, an dem unter anderem der berühmte Maler Pedro de Campaña mitwirkte. Seine Gemälde gehören zu den herausragenden Stücken der Renaissance in Andalusien und verleihen dem Kirchenraum eine besondere Ausstrahlung.
Den eigentlichen Charakter von Santa Ana macht jedoch weniger die Architektur aus als ihre tiefe Verwurzelung im Leben der Einwohner. Seit Jahrhunderten begleitet die Kirche die Menschen des Viertels durch ihren Alltag und ist noch immer ein wichtiger Bezugspunkt für zahlreiche Bruderschaften der Semana Santa. Vor allem in der Osterwoche wird die enorme Bedeutung Santa Anas für die lokale Gemeinschaft spürbar.