Eine der wohl größten Überraschungen Andalusiens erwartet Besucher dort, wo man sie am wenigsten vermuten würde. Ausgerechnet unter dem Friedhof San Rafael des kleinen Ortes Monturque verbirgt sich mit den Cisternas Romanas ein monumentaler Wasserspeicher aus der Römerzeit. Das größte erhaltene Bauwerk seiner Art in Spanien entfaltet im Untergrund eine beinahe unwirkliche Atmosphäre aus Stille, Dunkelheit und monumentalen Gewölben. Wer die unscheinbaren Stufen hinabsteigt, gelangt in eine geheimnisvolle Welt, in der seit fast zwei Jahrtausenden die Zeit stillsteht.
Beim Betreten der Anlage offenbart sich die beeindruckende Dimension des Bauwerks. Der Komplex umfasst zwölf gewölbte Kammern, die sich über eine Fläche von rund 300 Quadratmetern erstrecken und einst bis zu 850.000 Liter Wasser aufnehmen konnten. Mächtige Tonnengewölbe überspannen die einzelnen Räume. Kreisförmige Öffnungen in den Decken dienten einst der Belüftung und Wasserentnahme. Trotz ihres enormen Alters erscheinen die klaren Strukturen und die präzise Bauweise erstaunlich modern. Zugleich sorgen die kühle Luft, das gedämpfte Licht und die strenge Symmetrie der Architektur für eine beinahe surreale Wirkung, der sich Besucher nur schwer entziehen können.
Zu der besonderen Atmosphäre trägt nicht zuletzt die ungewöhnliche Lage der Anlage bei. Während sich oberhalb die schlichten Gräber des Friedhofs San Rafael erstrecken, ruht darunter eines der beeindruckendsten Bauwerke der römischen Antike in Spanien. Da die Cisternas Romanas noch immer zu den weniger bekannten Sehenswürdigkeiten Andalusiens und zudem nur im Rahmen von Führungen zugänglich sind, bleibt der unvergleichliche Charakter dieses Ortes bis heute erhalten. Hierdurch wird ein Besuch zu einem Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.
Die Entdeckung der Anlage im Jahr 1885 gleicht selbst einer kleinen Sensation. Als die Gemeinde nach einer schweren Epidemie den Friedhof erweitern wollte, stießen Arbeiter unerwartet auf die gewaltigen Hohlräume unter ihren Füßen. Erst die anschließenden Untersuchungen offenbarten das wahre Ausmaß des Fundes. Die Zisternen entstanden bereits im ersten Jahrhundert nach Christus, um ein nahegelegenes römisches Forum und eine Therme mit Wasser zu versorgen. Im Gegensatz zu diesen oberirdischen Anlagen, die nur noch im Ansatz erkennbar sind, blieben die Cisternas Romanas dank ihrer jahrhundertelangen Überdeckung außergewöhnlich gut erhalten. Sie zählen heute zu den bedeutendsten Zeugnissen antiker Ingenieurskunst auf der Iberischen Halbinsel.