Mit der Casa del Rey Moro verbirgt sich am Rand der Schlucht El Tajo eine der außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Rondas. Berühmt ist das Anwesen vor allem für seine maurische Brunnenanlage, deren geheimnisvoller Treppenabstieg tief hinunter zum Río Guadalevín zu den faszinierendsten historischen Orten der Stadt zählt. Ein Besuch der Anlage lohnt sich wegen dieses einzigartigen Zusammenspiels aus Architektur, Historie und unmittelbarem Erleben der Schlucht.
Das eigentliche Highlight verbirgt sich im Inneren des Felsens der Schlucht und ist als Wassermine (La Mina de Agua) bekannt. Über 231 Stufen führt ein schmaler Treppenabstieg hinab in Richtung des Río Guadalevín. Der rund 60 Meter tiefe Schacht aus dem 14. Jahrhundert zählt zu den eindrücklichsten begehbaren Bauwerken Rondas. Mit jedem Schritt verändert sich die Wahrnehmung des Raums. Das Tageslicht verliert sich allmählich, die Felswände rücken zusammen, und in der Tiefe verhallt das leise Tropfen von Wasser. Vor allem die kleine Plattform am schattigen Grund der Schlucht, auf der der Ausflug in die Tiefe endet, vermittelt eine unmittelbare Vorstellung der vertikalen Dimension zwischen Stadt und Fluss.
Was sich heute Besuchern als faszinierendes Erlebnis präsentiert, war einst von außerordentlicher strategischer Bedeutung. Der Schacht diente der gesicherten Wasserversorgung der befestigten Stadt im Belagerungsfall und gleichzeitig als mögliche Fluchtroute. In einem aufwendigen System wurde Wasser aus dem Río Guadalevín zunächst über ein von Hand betriebenes Schöpfrad angehoben, in einer Zisterne zwischengespeichert und von dort über eine Menschenkette die Stufen hinaufbefördert. Teile der technischen Vorrichtungen sind noch heute erkennbar. Wie mühevoll die Beförderung des lebenswichtigen Gutes in die Höhe war, lässt sich beim anschließenden Aufstieg erahnen.
Ergänzt wird die Anlage durch terrassenförmige Gärten, die hoch über der Schlucht einen entspannenden Gegenpol zur wehrhaften Architektur bilden. Sie wurden im frühen 20. Jahrhundert von dem französischen Landschaftsarchitekten Jean-Claude Nicolas Forestier gestaltet und verbinden mediterrane Vegetation mit geometrisch gefassten Wegen, Wasserbecken und weiten Ausblicken über die Schlucht. Im Kontrast zur dunklen, steinernen Tiefe der Brunnenanlage wirken sie leicht, offen und beinahe schwebend.
Trotz ihres klangvollen Namens, der im Deutschen „Haus des Maurenkönigs“ bedeutet, war die Casa del Rey Moro niemals Residenz eines islamischen Herrschers. Das heutige palastartige Wohnhaus entstand erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts und somit lange nach der maurischen Ära Rondas. Seine legendäre Bezeichnung verdankt das Anwesen schlicht einem historischen Fliesenrelief an der Außenfassade, das das Bildnis eines maurischen Regenten zeigt. Das Gebäude selbst ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.