Am Stierkampf führt in Ronda kaum ein Weg vorbei. Die Stadt gilt als Wiege der modernen Corrida und stellt dieses kulturelle Erbe stolz zur Schau. Die Plaza de Toros de Ronda ist eine der ältesten und architektonisch bedeutendsten Stierkampfarenen Spaniens. Unweit der berühmten Puente Nuevo gelegen, gehört sie zu den markantesten Bauwerken der Stadt und vermittelt einen tiefen Einblick in eine Tradition, die Andalusien geprägt hat. Heute ist sie eine der unverzichtbaren Sehenswürdigkeiten Rondas.
Errichtet wurde die Arena zwischen 1783 und 1785 unter der Leitung des Architekten Martín de Aldehuela, der auch die Puente Nuevo entwarf. Kulturhistorisch eng verbunden ist der Ort vor allem mit der berühmten Familie Romero. Sie definierte im 18. Jahrhundert die Regeln für den Stierkampf zu Fuß, die allmählich den vom Pferd ausgetragenen Kampf ablösten und die Grundlage der modernen Corrida bilden. Bis heute gilt die sogenannte Ronda-Schule als Inbegriff einer besonders kontrollierten und ästhetischen Form des Stierkampfes.
Architektonisch hebt sich die Plaza de Toros deutlich von der oft wehrhaft wirkenden Bergstadt ab. Die aus hellem Sandstein errichtete Arena präsentiert sich elegant im Stil des Neoklassizismus. Im Inneren entfaltet sich ein harmonischer Rundbau mit einer zweigeschossigen Arkadenreihe, die von 136 schlanken toskanischen Säulen getragen wird. Die klaren Proportionen und die offene Gestaltung lassen den Zuschauerraum wie ein antikes Amphitheater wirken. Der Kampfring gehört mit einem Durchmesser von rund 66 Metern zudem zu den größten Kampfflächen Spaniens.
Mit der Geschichte des Stierkampfes eingehender befassen kann man sich im zugehörigen Museo Taurino de Ronda. Historische Kostüme, Waffen, Fotografien und Werke von Francisco de Goya dokumentieren sachlich die Entwicklung einer Tradition, die heute gleichermaßen als kulturelles Erbe geschätzt und kontrovers diskutiert wird. Gegner und Befürworter können sich immerhin darauf verständigen, dass die Plaza de Toros de Ronda zu den herausragenden historischen Bauwerken Rondas gehört und unzertrennlich mit der einheimischen Identität verwoben ist.
Noch heute ist die Arena Schauplatz von Stierkämpfen. Alljährlicher Höhepunkt ist die sogenannte Corrida Goyesca, die Anfang September im Rahmen der Feria de Pedro Romero ausgetragen wird. Die Toreros treten dabei in historischen Kostümen des 18. Jahrhunderts auf und knüpfen voller Hingabe an das Erbe der Ronda-Schule an. Das Spektakel vermittelt einen authentischen Eindruck vom kulturellen Stellenwert der Corrida im Laufe der Zeit.