Im Herzen von Córdobas berühmtem jüdischen Viertel Judería verbirgt sich in einem unscheinbaren Innenhof hinter einer noch schlichteren Tür mit der Synagoge von Córdoba (Sinagoga de Córdoba) ein historisches und architektonisches Kleinod von unschätzbarem Wert. Als eine der wenigen mittelalterlichen Synagogen Spaniens, die die wechselvollen Epochen nahezu unbeschadet überdauert haben, präsentiert sie sich wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch und strahlt gleichzeitig eine besondere spirituelle Kraft aus.

Erbaut ab 1315, ist die Synagoge ein Meisterwerk des Mudéjar-Stils. Die Wände des kleinen, aber hohen Hauptraumes sind über und über mit filigranen Stuckverzierungen bedeckt, deren Anblick überwältigt. Geometrische Sternenmuster mischen sich mit kunstvoll verflochtenen hebräischen Inschriften zu einem kostbaren Ensemble. Dass dieser zarte Gipsstuck nach mehr als 700 Jahren noch fast vollständig erhalten ist, grenzt an ein Wunder – besonders, wenn man die bewegte Nutzung des Gebäudes nach der Vertreibung der Juden im Jahr 1492 bedenkt.

Unmittelbar nach dem Ende der jüdischen Gemeinde diente der Bau zunächst als Spital für Tollwuterkrankte (Hospital de la Santa Quiteria), bevor er 1588 in den Besitz der örtlichen Schuhmachergilde überging, die das Gebäude als Kapelle ihrem Schutzpatron widmete. Ein eingraviertes Kreuz an der westlichen Wand erinnert noch heute an diese christliche Umwandlung. Trotz dieser Veränderungen blieb die jüdische Seele des Hauses bewahrt. Über dem Eingangsbereich befindet sich sogar noch die schlichte Empore, die Frauen einst die Teilnahme am Gottesdienst ermöglichte und daher als Frauenbalkon bekannt ist. Mit ihrem hervorragenden Zustand und der fast intimen Erscheinung ist die Synagoge von Córdoba beispiellos.

Bereits beizeiten erkannte man diesen enormen kulturhistorischen Wert und stellte das Gotteshaus schon im Jahr 1885 unter Denkmalschutz. Dies bewahrte das Bauwerk nicht nur vor Veränderungen, sondern bereitete den Weg für seine Rolle als nationales Monument. Heute ist das jüdische Gotteshaus mit seinen maurischen und christlichen Aspekten ein Ort der Begegnung. Besucher aus aller Welt und mit den verschiedensten kulturellen Hintergründen treffen hier aufeinander. Die Synagoge gehört als Teil der gesamten historischen Judería, die sich ringsum ausbreitet, seit 1994 zum Weltkulturerbe.

Ein Besuch dieses Kleinodes ist somit ohnehin unzertrennbar mit einem Spaziergang durch die Judería verbunden. Dabei lohnt sich zum Beispiel ein Abstecher zum benachbarten Zoco Municipal oder zur Casa de Sefarad. An diesen und anderen kunstvoll gestalteten Orten bleibt die ferne Vergangenheit Córdobas als Inbegriff kultureller Begegnung und Toleranz lebendig.