Mit der Plaza de Toros de Sevilla erinnert eine der bekanntesten und größten Stierkampfarenen Spaniens an eine bedeutende Facette des einheimischen Kulturerbes. Auch wenn die Tradition des Stierkampfes heute längst nicht mehr den Stellenwert vergangener Zeiten hat, ist das Bauwerk im Herzen der Stadt eine historische wie architektonische Ikone und ein fester Bestandteil vieler Stadtrundgänge.

So repräsentativ wie ihre Lage am Paseo de Cristóbal Colón, der mondänen Uferpromenade entlang des Guadalquivir, so unverkennbar zeigt sich auch die Fassade der Arena. Mit weiß getünchten Wänden, kombiniert mit warmen ockergelben Akzenten, verleiht die traditionelle Farbgebung Andalusiens dem Bauwerk seine unverwechselbare Erscheinung und ist aus Sevillas historischem Stadtbild nicht wegzudenken. Das markante Eingangsportal weckt die Neugier darauf, was sich hinter seinem schweren roten Holztor verbirgt.

Im Innenraum breitet sich ein imposantes Rund aus dem typisch gelben Sand aus, das mit mehr als 60 Metern Durchmesser zu den imposantesten Manegen der Welt gehört und für jeden Torero eine besondere Herausforderung darstellt. Die Ränge, die sich ringsum erheben, bieten Platz für rund 12.500 Zuschauer. Eine elegante Säulengalerie krönt das Ensemble. Besonders markant ist der Palco del Príncipe, die Ehrenloge der königlichen Familie direkt über dem Haupttor.

Wer genau hinschaut, erkennt die leicht ovale Form des Baukörpers. Den kleinen Schönheitsfehler führt man heute auf die lange, von vielen Unterbrechungen geprägte Bauzeit zurück. Die Errichtung der Plaza de Toros begann im Jahr 1761 und wurde erst 120 Jahre später vollendet. Dies tut der Arena jedoch keinen Abbruch. Heute unterstreicht dieses Detail ganz im Gegenteil ihren einzigartigen Charakter. Der Volksmund nennt sie bisweilen sogar ehrfurchtsvoll „Kathedrale des Stierkampfes“.

Für traditionsbewusste Sevillaner ist die Plaza de Toros ohnehin ein denkwürdiger Ort. Hier kämpften im Laufe der Zeit einige der bekanntesten Toreros überhaupt. So feierte der aus Córdoba stammende Manolete hier bedeutende Erfolge und festigte seinen Ruf als einer der größten Stierkämpfer des 20. Jahrhunderts. Von den herausragenden Ereignissen künden die historischen Stierkampfplakate (Carteles), die man neben Kostümen bedeutender Toreros und vielen Erinnerungsstücken im zugehörigen Museum besichtigen kann.

Die Plakatsammlung ist eine der bedeutendsten ihrer Art weltweit. Sie umfasst sowohl historische Carteles aus dem 18. und 19. Jahrhundert als auch moderne Motive, die nicht nur Sportereignisse dokumentieren, sondern ein Teil der Kunstgeschichte Sevillas sind. Der künstlerische Rang des Museums wird durch eine Reihe namhafter Werke unterstrichen, darunter eine Serie von Stierkampf-Radierungen des berühmten Malers Francisco de Goya.

Wer die Facette des einheimischen Kulturerbes in all seiner emotionalen Intensität hautnah erleben möchte, sollte die Plaza de Toros im Frühjahr besuchen. Die Saison beginnt traditionell am Ostersonntag und findet ihren Höhepunkt während der Feria de Abril. In dieser Zeit ist die Arena eine Bühne, auf der sich Leidenschaft, Tradition und Kontroverse auf einzigartige Weise begegnen.

Auch abseits des Stierkampfs ist das Rund ein lebendiger Schauplatz kultureller Höhepunkte. Von einer prachtvollen Kutschengala während der Feria (Exhibición de Enganches) bis hin zu stimmungsvollen Open-Air-Konzerten internationaler Künstler wie den traditionellen „Noches de la Maestranza“ finden sich das ganze Jahr über Anlässe für einen Besuch jenseits einer einfachen Besichtigung.

Übrigens: Der vollständige Name der Arena lautet Plaza de Toros de la Real Maestranza de Caballería de Sevilla und verweist auf die alteingesessene adlige Reiterbruderschaft, die einst ihren Bau in Auftrag gab und sie bis heute betreibt.