Der Palacio de San Telmo ist eines der repräsentativsten Bauwerke Sevillas. Der im späten 17. Jahrhundert begonnene Palast gilt als architektonische Kostbarkeit und als eines der schönsten Beispiele des andalusischen Barock. Heute dient er als Sitz der Regionalregierung, kann jedoch im Rahmen geführter Touren auch von innen besichtigt werden. Doch selbst der bloße Blick auf seine prachtvollen Fronten lohnt den kurzen Spaziergang.

Das eigentliche Prunkstück des Palacio de San Telmo ist die aufwendig gestaltete Hauptfassade an der Nordwestseite, die zum Guadalquivir und zur Altstadt hin ausgerichtet ist. Mit ihrer reichen Gliederung und der geradezu überbordenden Detailfülle fesselt sie unweigerlich den Blick. Den Mittelpunkt bildet das prachtvolle Hauptportal. Seinen kunstvoll verzierten Rahmen prägen gedrehte Säulen, filigrane Reliefs und üppiger Figurenschmuck.

An prominentester Stelle thront die Gestalt des San Telmo, der Schutzpatron der Seefahrer, nach dem der Palast benannt ist. Ursprünglich wurde das Bauwerk als Marineakademie errichtet, bevor das Herzogspaar von Montpensier das Anwesen Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb und zu einer glanzvollen Privatresidenz umbaute. San Telmo zur Seite stehen die Statuen zweier weiterer bedeutender Heiliger, Ferdinand III. von Kastilien und San Hermenegild. Darunter flankieren zudem zwölf weibliche Figuren das Portal, welche die an der Akademie gelehrten Wissenschaften und Künste versinnbildlichen.

Im unmittelbaren Vergleich zu dieser Pracht verblasst beinahe die übrige Gebäudefront, die für sich genommen in perfekter Symmetrie und markanten Türmen an den Ecken die herrschaftliche Eleganz eines Barockschlosses ausstrahlt. Auch an den seitlichen Fassaden mit harmonisch austarierten Balkonen, Nischen und filigranen Details zeigt sich eine harmonische Ästhetik, die durch die Farbgebung des Bauwerks untermalt wird. Die warmen Rot- und Ockertöne des Mauerwerks wirken fast, als habe der Palacio de San Telmo als Inspiration für die Gestaltung der spanischen Nationalflagge gedient. Interessant ist die Galerie mit zwölf filigranen Skulpturen auf der Nordseite, die Persönlichkeiten aus der Geschichte Sevillas ehren.

Im Inneren des Palasts prägen repräsentative Salons das Bild, die den herrschaftlichen Anspruch seiner Erbauer erkennen lassen und hervorragend zu der heutigen Nutzung als Machtzentrum Andalusiens passen. Aufwendig gestaltete Stuckdecken und Wandverkleidungen erfreuen im Zusammenspiel mit kunstvollen Details immer wieder das Auge, wenn man an einer offiziellen Führung teilnimmt. Auf eigene Faust kann man den Palast aufgrund seiner heutigen Funktion nicht erkunden.

Auch die prachtvollen Gartenanlagen auf der Rückseite des Palastes, die einen harmonischen Kontrast zu der herrschaftlichen Architektur bilden, bleiben der Allgemeinheit aus Sicherheitsgründen verborgen und geführten Touren vorbehalten. Das schattige Paradies mit alten Bäumen, Wasserbecken und sorgsam gepflegten Blumenrabatten gehörte einst zu einem riesigen herrschaftlichen Parkgelände, das die Infantin María Luisa Fernanda von Borbón im Jahr 1893 der Stadt vermachte.

Der Großteil des einstigen Schlossgartens ist heute als Parque de María Luisa bekannt. Der öffentliche Park ist nicht nur das grüne Herz Sevillas, sondern bei Einheimischen und Besuchern gleichermaßen ein populäres Ziel zum Flanieren und Ausspannen. In die Parkanlage integriert sind mit der weltberühmten Plaza de España und der kulturell bedeutenden Plaza de América zwei der bedeutendsten Attraktionen der Stadt.