Die Ausgrabungsstätte Itálica ist einer der wichtigsten archäologischen Fundorte Andalusiens und wie geschaffen, um auf den römischen Spuren der Region zu wandeln. Nur wenige Kilometer nördlich von Sevilla gelegen, datiert die antike Stadt aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Als Geburtsort der Kaiser Trajan und Hadrian erlangte der Ort große historische Bedeutung und sichert sich einen herausragenden Platz in der römischen Geschichte Spaniens. Bemerkenswert ist der gute Erhaltungszustand der Ruinen, der einen lebendigen Eindruck von Itálicas einstigem Glanz vermittelt.
Beim Betreten der Ausgrabungsstätte fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Römosches Straßenpflaster und Mauerreste von Gebäuden vermitteln einen Eindruck von der Struktur der antiken Stadt. Besonders beeindruckend ist das Amphitheater von Itálica. Es gehört zu den größten und besterhaltenen römischen Arenen der Iberischen Halbinsel. Noch heute lassen sich der zentrale Kampfbereich und die Anordnung der Sitzreihen gut erkennen und mit etwas Vorstellungskraft Gladiatorenkämpfe und andere Spektakel nachempfinden. Fast schon etwas beklemmend ist ein Rundgang durch das Dunkel der unterirdischen Gänge.
Die Reste ehemaliger Wohnhäuser zeugen ebenfalls vom Glanz der ersten römischen Stadt auf der Iberischen Halbinsel. Staunenswert sind insbesondere die Bodenmosaike in einigen Häusern, die nicht nur die Kunstfertigkeit ihrer Erbauer bezeugen, sondern auch die enorme Verarbeitungsqualität. So konnten die geometrischen Muster, mythologischen Szenen und floralen Motive die Jahrtausende überdauern und lassen den ausgeprägten Sinn der Bewohner Itálicas für Ästhetik erkennen.
Die Ausgrabungsstätte umfasst zudem Reste ganzer Tempel wie das Traianeum, Thermen und öffentliche Gebäude. Besucher erhalten damit eine ungefähre Ahnung von der Bedeutung der einstigen Stadt als Verwaltungs- und Kulturzentrum der römischen Provinz Hispania Baetica. Den antiken Geist dieses Ortes verkörpern zudem Statuen, die einst Itálica zierten. Kostbare Darstellungen wie die Venus von Itálica, die Jägerin Diana oder eine Marmorbüste von Hadrian illustrieren in Form perfekter Nachbildungen die Szenerie. Die Originale kann man im Archäologischen Museum in Sevilla bewundern.
Bis heute birgt Itálica noch viele Geheimnisse Während man die Ruinen der von Kaiser Hadrian prachtvoll ausgebauten Neustadt teilweise freigelegt hat, verbergen sich große Teile weiterhin unter den Olivenhainen der Umgebung. Die einstige Altstadt versteckt sich sogar vollständig unter der Bebauung der Ortschaft Santiponce.
Doch auch so sollte man genug Zeit mitbringen, um sich von diesem Juwel der Antike fesseln zu lassen. Itálica kann man auf gut ausgeschilderten Wegen erkunden und mit etwas Glück sogar Archäologen in Aktion zuschauen. Die Ausgrabungsstätte ergänzt das Bild Sevillas als kulturelles Herz der Region um seine antiken Wurzeln und bietet Geschichte buchstäblich zum Anfassen, und das nur wenige Minuten von der Stadt entfernt.