Das Museo de Bellas Artes von Granada gehört zu den ältesten Kunstmuseen Spaniens. Die bereits 1839 gegründete Sammlung dokumentiert die Entwicklung der regionalen Kunst vom späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert. Mit seiner Lage innerhalb des Areals der Alhambra erfreut sich das Museum nicht nur einer spektakulären Umgebung, sondern bietet Kunstliebhabern eine interessante Ergänzung zum Besuch der berühmten Festungsanlagen.

Die Ausstellung folgt einer weitgehend chronologischen Ordnung und konzentriert sich vor allem auf das künstlerische Erbe Granadas seit der christlichen Eroberung von 1492. Zu den frühen Höhepunkten zählt ein kostbares, dreiteiliges Altarbild aus feiner Emaille, das Kaiser Karl V. auf seinen Reisen begleitete. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden Sakralwerke des 16. und 17. Jahrhunderts, die einst für die Klöster und Kirchen der Stadt geschaffen wurden. Hier ragt insbesondere Alonso Cano heraus, der als Maler, Bildhauer und Architekt den spanischen Barock in Granada wie kaum ein anderer prägte. Einen deutlichen Kontrast dazu bilden die berühmten Stillleben und religiösen Gemälde von Fray Juan Sánchez Cotán.

Ergänzt wird die Sammlung durch zahlreiche Porträts, Skulpturen und weitere Gemälde, die die kulturelle Entwicklung Granadas über mehrere Jahrhunderte hinweg dokumentieren. Besonders die Werke des 19. Jahrhunderts spiegeln das wachsende Interesse an der Geschichte Andalusiens und den maurischen Traditionen der Region wider, etwa in den romantisch orientierten Darstellungen der Alhambra, wie sie im Umfeld von Mariano Fortuny y Marsal entstanden. Prägend sind auch die Alhambra-Ansichten von David Roberts. Den Abschluss des Rundgangs bilden schließlich Arbeiten aus dem frühen 20. Jahrhundert, die den Übergang zur modernen regionalen Kunst zeigen.

Untergebracht ist das Museum im Obergeschoss des Palacio de Carlos V., einem Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, der zu den markantesten Gebäuden der Alhambra gehört. Berühmt sind seine streng symmetrische Fassade und der weltweit einzigartige kreisrunde Innenhof. Der von 32 Säulen eingerahmte Hof gilt als eines der ungewöhnlichsten Architekturmerkmale der spanischen Renaissance. Die hohen, großzügigen Säle bieten den teils monumentalen Gemälden und Skulpturen einen ruhigen Rahmen. Sie bilden zudem einen enormen architektonischen Kontrast zu den älteren maurischen Palästen in der direkten Nachbarschaft.

Im Vergleich zu den weltberühmten Palästen, Gärten und Festungsanlagen der Alhambra wird das Museo de Bellas Artes von vielen Besuchern schlichtweg übersehen. Dabei gehört es als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Andalusiens zu den interessantesten Nebenschauplätzen des gesamten Areals. Der Eintritt ist für Bürger der Europäischen Union zudem kostenfrei.