Bei einem Spaziergang durch die malerische Carrera del Darro zu Füßen der Alhambra stolpert man fast unweigerlich in das Museo Arqueológico de Granada hinein. Eingerichtet in der Casa de Castril, einem prächtigen Renaissance-Palast aus dem Jahr 1539, verbirgt sich hinter der plateresken Fassade zwar keine Sammlung von monumentalen Ausmaßen, wie man sie etwa in den archäologischen Museen in Sevilla oder Córdoba findet. Dafür liegt in der Überschaubarkeit ein ganz eigener Charme, der ein fast intimes Erlebnis verspricht und zudem mit einigen ungeahnten Kostbarkeiten aufwartet.
Hinter den Mauern des Renaissance-Palastes mit ihren reichen Verzierungen und rund um den idyllischen Innenhof entfaltet sich eine kompakte Reise durch die Geschichte der Region. Die Ausstellung spannt den Bogen von den ersten prähistorischen Siedlern über die phönizische und römische Epoche bis hin zum Ende des Nasridenreiches im Jahr 1492. Dank der überschaubaren Größe der Sammlung lässt sich das Haus besuchen, ohne befürchten zu müssen, kostbare Zeit für die Erkundung der Attraktionen Granadas zu verlieren.
Dabei lohnt sich bei verschiedenen Exponaten unbedingt ein näheres Hinsehen, denn einige Stücke sind außerordentlich bemerkenswert. Zu den Glanzstücken zählen einige spektakuläre Funde aus der nahe gelegenen Villa Romana de Salar, die man erst im 21. Jahrhundert entdeckte. Die lebensgroßen Marmorstatuen von Venus und mehreren Nymphen vermitteln eindrucksvoll, welchen Luxus sich die römische Oberschicht in der Provinz Baetica einst leistete. Wer dieses Erlebnis vertiefen möchte, sollte sich den Fundort vor den Toren von Loja anschauen. In der Ausgrabungsstätte sind prächtige Mosaike verblieben.
Nicht minder faszinierend ist ein Astrolabium des muslimischen Astronomen Ibn Zawal aus dem Jahr 1481. Das fein gearbeitete Instrument steht exemplarisch für den hohen wissenschaftlichen und technischen Entwicklungsstand, den das maurische Granada kurz vor dem Ende seiner Herrschaft erreicht hatte. Gerade diese Mischung aus römischer Pracht und islamischer Gelehrsamkeit macht den besonderen Reiz des Museums aus.
Der konzentrierte Einblick in das historische Erbe der Gegend lässt sich hervorragend in eine Entdeckungstour durch das traditionelle Albaicín-Viertel einbinden. Für Bürger der Europäischen Union ist der Eintritt zudem kostenlos.