Die Kathedrale von Granada ist eines der Prunkstücke der spanischen Renaissance. Für viele Besucher Granadas gehört das monumentale Gotteshaus als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu den unvergesslichen Höhepunkten der Stadt. Nach der Rückeroberung Granadas durch die Katholischen Könige als sichtbares Symbol ihrer Macht errichtet, erliegt man bis heute dem Glanz prachtvoller Fassaden, gewaltiger Raumhöhen und prunkvoller Ausstattungen.

Die in fast zwei Jahrhunderten entstandene Kathedrale vereint dabei unterschiedliche Baustile zu einer eindrucksvollen Komposition. Den grundlegenden Renaissanceentwurf schuf Diego de Siloé im 16. Jahrhundert, der den ursprünglich gotisch geplanten Kirchenbau vollkommen neu konzipierte. Die berühmte Hauptfassade zur Plaza de las Pasiegas entstand jedoch erst im 17. Jahrhundert nach Plänen Alonso Canos. Mit ihren plastischen Reliefs, mächtigen Bögen und der beinahe theatralischen Wirkung zählt sie zu den bedeutendsten barocken Fassaden Andalusiens und prägt bis heute den ersten Eindruck vieler Besucher.

Im Inneren entfaltet die Kathedrale ihre eigentliche Wirkung. Gewaltige weiße Bündelpfeiler, die aus mehreren korinthischen Säulen zusammengesetzt sind, gliedern den Raum und geben ihm trotz ihrer Monumentalität eine überraschende Eleganz. Hohe Gewölbe und das durch zahlreiche Fenster einfallende Licht erzeugen eine ungewöhnlich helle und offene Atmosphäre. Mit dieser Leichtigkeit unterscheidet sich die Kathedrale von Granada deutlich von vielen mittelalterlichen Kirchenbauten Spaniens.

Den architektonischen Höhepunkt bildet die außergewöhnliche Capilla Mayor. Die kreisförmig angelegte Hauptkapelle war für den spanischen Kirchenbau der Renaissance geradezu revolutionär. Die monumentale Rotunde wird von einer prachtvollen Kuppel mit doppelten Fensterreihen überwölbt. Goldene Verzierungen, kostbare Gemäldezyklen und Skulpturen verleihen dem Raum eine feierliche Erhabenheit, die den Herrschaftsanspruch der katholischen Monarchie eindrucksvoll erkennen lässt und beim Betrachten mit Bewunderung und Ehrfurcht erfüllt.

Ein weiteres kulturelles Kleinod in direkter Nachbarschaft ist der Kapitelsaal. In dem einstigen Versammlungsraum des Domkapitels lässt sich die Pracht der Renaissance in konzentrierter Form erleben. Hinter seinen Türen verbirgt sich eine hochkarätige Gemäldegalerie mit Meisterwerken von Künstlern wie Alonso Cano, El Greco oder Ribera, die den Rang der Kathedrale als eine der kostbarsten Schatzkammern sakraler Kunst unterstreichen.

Von herausragender historischer Bedeutung ist die unmittelbar angrenzende Capilla Real de Granada, die Besucher allerdings über einen separaten Zugang erreichen. In der Königskapelle befinden sich die Gräber der Katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón, die mit der Einnahme Granadas im Jahr 1492 die Rückeroberung vollendeten. Damit ist das Ensemble nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern ein Monument von weltgeschichtlichem Rang.

Trotz ihrer gewaltigen Erscheinung wirkt die Kathedrale erstaunlich nahbar. Das Leben der Altstadt reicht bis an ihre Mauern heran. An den Außenmauern, vor allem zur Pasaje de Diego de Siloé hin, sind noch uralte Vítores zu erkennen. Es handelt sich um rote Inschriften damaliger Studenten, die nach bestandener Promotion ihre Initialen als Zeichen des akademischen Erfolges hinterließen. Diese Bekundungen höchsten Stolzes zeugen von der engen Verbindung zwischen Kirche und Universität im goldenen Zeitalter Granadas.

Auch heute sind viele Studenten zugegen und nutzen die große Freitreppe auf der Plaza de las Pasiegas zum Studieren, für einen Plausch oder um gemeinsam mit Touristen die Sonne zu genießen. Auf dem lebhaften Platz zu Füßen der gewaltigen Hauptfassade drängen sich Cafés und Straßenmusiker, während sich die Kathedrale schützend über die Szenerie erhebt.