Für viele ist Gaucín eines der schönsten von Andalusiens berühmten Weißen Dörfern, wenn nicht gar das schönste. Auch wenn man sich hierauf angesichts enormer Konkurrenz hierauf nicht festlegen mag, ist die langgestreckte Ortschaft, die sich in reinstem Weiß an einen grünen Bergrücken schmiegt und von einer imposanten Burgruine überragt wird, ausgesprochen malerisch. Am besten macht man sich direkt vor Ort selbst ein Bild.
Von seiner schönsten Seite präsentiert sich Gaucín beim Blick von Südwesten her. Die beiden Aussichtspunkte an den dortigen Zufahrtsstraßen, der Mirador Natural de la Guerra de la Independencia und der Balcón de La Serranía, verheißen Motive, die sich für jede Postkarte eignen. Toppen lässt sich das nur noch mit einer Wanderung auf den Pico del Hacho, den Hausberg des Ortes. Von dem Gipfel, der sich westlich von Gaucín schroff erhebt, erlebt man eines der wundervollen 360-Grad-Panoramen, für die das Bergland Andalusiens berühmt ist.
Den Aufstieg bewerkstelligt man am besten auf einem gut markierten Wanderweg, der sich durch Korkeichenhaine stetig nach oben windet. Für den optionalen Adrenalinkick gibt es eine alternative Route von Westen her. Auf einem Klettersteig, der Vía Ferrata Sierra del Hacho, geht es mitten durch den Fels. Auf die Spitze treiben lässt sich der Nervenkitzel im Ort unterhalb der Burgruine. Die dortige Vía Ferrata Castillo del Águila folgt der senkrechten Felswand und gilt als einer der anspruchsvollsten Klettersteige in Andalusien. Die Klettertour ist nichts für schwache Nerven und nur mit professioneller Kletterausrüstung zu absolvieren. Wer sich hier probieren möchte, vertraut sich einem einheimischen Guide an, zumal professionelle Ausrüstung ohnehin unabdingbar ist.
Für alle anderen bleibt der Anblick der Wagemutigen, die sich vom Castillo del Águila aus beobachten lassen. Die Burg ist eine maurische Festung aus dem 9. Jahrhundert, wurde jedoch bei einer Explosion im 19. Jahrhundert schwer beschädigt. Obwohl heute weitgehend in Trümmern, ist die Anlage mit ihrem wuchtigen Bergfried noch immer beeindruckend zu erleben. Auf dem Burgberg erhebt sich außerdem mit der Wallfahrtskapelle Ermita del Santo Niño ein hübsches Kleinod aus dem 17. Jahrhundert, das die Wirren der Zeit schadlos überstand.
Auch andere Zeitzeugen haben die Epochen überdauert und zeugen von der reichen Historie des Ortes. Ein besonderer Blickfang ist die Fuente de los Seis Caños (Brunnen der sechs Röhren). Dieser kunstvolle Brunnen an der Plaza de Guzman el Bueno ist ein technisches Denkmal der Wasserversorgung aus dem Jahr 1628 und seither ein beliebter Treffpunkt. Ebenfalls sehenswert ist die Iglesia de San Sebastián aus dem 16. Jahrhundert.
Hinter mancher altehrwürdigen Fassade verbirgt sich ein ganz anderes Gaucín, das voller Überraschungen steckt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich hier eine internationale Künstlergemeinschaft etabliert. Heute ist der Ort Wahlheimat von Malern, Bildhauern und Fotografen aus aller Welt. In kleinen Galerien und offenen Ateliers zeigt sich Gaucín modern, weltoffen und manchmal ein wenig verrückt. Die Szene bereitet sich und den Besuchern des Dorfes alljährlich im Mai mit dem „Art Gaucín“ einen kulturellen Höhepunkt, bei dem die Künstler ihre Häuser und Patios für die Öffentlichkeit öffnen und ganz Gaucín buchstäblich in eine große Kunstausstellung verwandeln.