Weniger als eine halbe Autostunde östlich von Sevilla direkt an der Autobahn gelegen, die die Hauptstadt Andalusiens mit Córdoba verbindet, lohnt sich Carmona für einen Zwischenstopp oder besser gleich für eine ausführliche Besichtigung. Als eine der ältesten Siedlungen im Süden Spaniens und seit Jahrtausenden ununterbrochen besiedelt, blickt die Stadt auf eine reiche Historie zurück.

Aus Carmonas Blüte zur Zeit der Römer stammen zwei der historisch bedeutsamsten Kostbarkeiten der Stadt, eine Nekropole und ein Amphitheater, die leider aufgrund der Wirren der Zeit nur noch in Ruinen existieren, aber dennoch zu beeindrucken verstehen. Gleiches lässt sich im Herzen der Stadt vom Alcázar de la Puerta de Sevilla behaupten, der einen äußerst imposanten architektonischen Akzent setzt.

Am östlichen Stadtrand befindet sich mit der Puerta de Córdoba ein gut erhaltenes Stadttor der maurischen Stadtbefestigung. Nicht weit davon, auf dem höchsten Punkt Carmonas, thronen die Reste einer wuchtigen Festungsanlage, die im 14. Jahrhundert unter der Ägide Peters I entstand. Heute ist hier ein der Örtlichkeit stilvoll angepasstes Parador-Hotel untergebracht. Es ist zweifellos die erste Wahl für eine Übernachtung, falls der Aufenthalt in Carmona doch länger dauert.

Zu entdecken gibt es nämlich noch einiges mehr. Die von der maurischen Herrschaft bis heute stark geprägte Altstadt bietet historische Paläste, aber auch Gotteshäuser, die man ruhig näher unter die Lupe nehmen sollte. Im städtischen Museum, das im Palacio del Marqués de las Torres eingerichtet ist, taucht man in die Heimatgeschichte Carmonas ein. Zu den bemerkenswertesten Sakralbauten der Stadt gehört die Kirche San Pedro. Ihr Glockenturm nimmt zahlreiche bauliche Anleihen bei der berühmten Giralda in Sevilla. Weitere sehenswerte Kirchen sind Santa María, San Pedro und San Bartolomé.

Eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit und ein Stück Technikgeschichte findet sich im Süden der Stadt mit der Torre del Picacho. Der im 19. Jahrhundert auf einem prominenten Vorsprung errichtete Turm diente der optischen Telegrafie. Dabei wurden mithilfe optischer Signale Nachrichten über weite Entfernungen befördert. Die historische Signalstation, die mit dem Aufkommen der elektrischen Telegrafen ihre Bedeutung verlor, wurde restauriert und ist heute ein Aussichtsturm.

Von all den Entdeckungen hungrig geworden, laden charmante Gasthäuser und Tapas-Bars zu einer Stärkung ein. Typisch für Andalusien, herrscht auch in Carmona kein Mangel an traditionellen Gerichten zu oftmals überraschend günstigen Preisen.