Die Cueva de Ardales gehört zu den ursprünglichsten Höhlensystemen Andalusiens. Im Gegensatz zu den bekannten Schauhöhlen der Region erwartet Besucher in der Kalksteinhöhle vor den Toren des Ortes Ardales anstelle ausgeleuchteter Wege ein weitgehend naturbelassenes unterirdisches Labyrinth aus Felsspalten, Kammern und Domen. Im Rahmen geführter Touren taucht man ein in einen der kulturhistorisch bedeutendsten Orte in der südspanischen Unterwelt.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen die außergewöhnlich alten Spuren menschlicher Nutzung, die sich über die verschiedenen Gänge und Hallen der Höhle verteilen. Mehr als tausend Malereien, Gravuren und Farbreste wurden bislang in der Cueva de Ardales entdeckt. Neben Tierdarstellungen und abstrakten Symbolen erregten in der jüngeren Vergangenheit vor allem rote Pigmentspuren große Aufmerksamkeit, deren Alter auf mehr als 65.000 Jahre geschätzt wird. Die Funde gelten als Hinweis darauf, dass bereits Neandertaler über deutlich ausgeprägtere künstlerische Fähigkeiten verfügten als lange angenommen, und sind eine wissenschaftliche Sensation.
Dieses einmalige kulturelle Erbe ist heute unter Auflagen für die Öffentlichkeit zugänglich. Besucher bewegen sich dabei mit Taschenlampen durch unterschiedlich große Hallen, schmale Felsgänge und teils unebene Passagen des weitläufigen Höhlensystems. Anders als in klassischen Schauhöhlen gibt es keine feste Beleuchtung. Das Licht der eigenen Lampe erfasst nur kleine Ausschnitte der Felswände und lässt die Zeichnungen und Gravuren erst nach und nach aus der Dunkelheit hervortreten. Diese einfache Form der Besichtigung verleiht diesem geheimnisvollen Ort seinen besonderen Charakter.
Zum Reiz der Höhle trägt außerdem bei, dass die Entdeckungstour einem besonderen Privileg gleichkommt. Zum Schutz der empfindlichen Malereien und des natürlichen Höhlenklimas ist die Zahl der täglichen Besucher stark begrenzt und die Führungen daher oft monatelang im Voraus ausgebucht. Bauliche Eingriffe wurden auf ein Minimum reduziert, um den ursprünglichen Zustand der Höhle möglichst unverändert zu bewahren. Große Teile des verzweigten Labyrinths bleiben ausschließlich wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten. All das zeigt bemerkenswerte Parallelen zur eine Autostunde entfernten Cueva de la Pileta.
Dass die Cueva de Ardales heute überhaupt wieder zugänglich ist, verdankt sich einem Zufall. Ein Erdbeben legte den lange verschlossenen Eingang im Jahr 1821 frei. Wenige Jahrzehnte später begann unter der wohlhabenden Bürgerin Doña Trinidad Grund eine erste vorsichtige touristische Erschließung. Ihr zu Ehren trägt die Höhle heute den ebenfalls geläufigen Namen Cueva de Doña Trinidad.