Die Alte Tabakfabrik (Antigua Fábrica de Tabacos) ist ohne Zweifel eines der architektonischen Prunkstücke Sevillas und zudem ein historisches Aushängeschild. Bis heute eines der größten Gebäude in ganz Spanien, steht es als Zeugnis für die Bedeutung der Stadt als Drehscheibe des Welthandels im 18. Jahrhundert. Mit seiner prunkvollen Bauweise und reicher Ornamentik wirkt das Bauwerk wie ein majestätischer Palast und begeistert Architektur- und Kulturliebhaber aus aller Welt.
Schon der Anblick von außen fasziniert. Der gewaltige, streng gegliederte Bau fügt sich mit seinem repräsentativen Charakter stimmig in die Umgebung am Übergang zur prachtvollen Altstadt ein; er befindet sich direkt südlich der Gärten des Real Alcázar und unweit des Guadalquivir. Kunstvoll gestaltete Portale, schmiedeeiserne Gitter und barocke Zierelemente verleihen dem Gebäude eine vornehme Eleganz, die es wie einen Palast erscheinen lässt. Gleichzeitig überrascht die Alte Tabakfabrik mit wuchtigen Mauern, Ecktürmen und einem umlaufenden Wassergraben, die ihr beinahe den Charakter einer Festung geben.
Betritt man das monumentale Bauwerk durch das prächtige Hauptportal, wird das Staunen ungleich größer ob der Opulenz, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnet. Kunstvoll gestaltete Innenhöfe, von Arkadengängen gesäumt, gliedern das riesige Areal und sorgen für Licht und Luft. Hier gibt es reichlich Gelegenheit, sich in zahlreichen malerischen Details zu verlieren. Besonders reizvoll wirkt die Symmetrie der Patios mit marmornen Brunnen, Statuen und schattigen Durchgängen, in denen die Geräusche der Stadt verklingen.
Angesichts dieser Pracht ist kaum vorstellbar, dass hier einst harte Arbeit verrichtet wurde. Über Jahrhunderte hinweg war die Fabrik das Zentrum der spanischen Tabakverarbeitung. Tausende Frauen, die berühmten Cigarreras, rollten in unermüdlicher Handarbeit Zigarren und andere Tabakprodukte. Einer von ihnen, einer gewissen Carmen, setzte Georges Bizet mit seiner gleichnamigen Oper ein aufsehenerregendes Denkmal. Die tragische Geschichte der leidenschaftlichen Arbeiterin machte die Alte Tabakfabrik weit über Spanien hinaus berühmt. Für viele gehört es zu einer Reise nach Sevilla dazu, auf den Spuren der Protagonistin zu wandeln.
Heute begegnet man in den altehrwürdigen Gemäuern lebhaftem Studienalltag. Die Alte Tabakfabrik ist Hauptsitz der Universität von Sevilla und beherbergt verschiedene Fakultäten. In den ehrwürdigen Hallen wird gelernt, diskutiert und geforscht, während draußen in den Patios Studenten zwischen Vorlesungen verweilen, sich unterhalten und lachen. Dieser Kontrast zwischen historischer Schwere und jugendlicher Leichtigkeit trägt zum besonderen Reiz des Gebäudes bei. Sich unter die Studenten zu mischen, den Stimmen in den Patios zu lauschen und die unbeschwerte Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, gehört zu den Momenten, die Sevilla so nahbar machen.