Alcalá de los Gazules ist ein bemerkenswertes weißes Dorf im Hinterland der Provinz Cádiz. Am westlichen Rand des Naturparks Los Alcornocales schmiegt sich der historische Ortskern an die steilen Hänge eines markanten Berges und ist schon von Weitem als geschlossene Kaskade weiß getünchter Häuser zu erkennen. Abseits der bekannten Küstenorte bewahrt die Gemeinde einen unaufgeregten, bodenständigen Charakter. Enge Gassen, steile Treppen und kleine Plätze verleihen dem Ort ein klassisch andalusisches Bild und machen einen Bummel durch seine Mitte zu einem Erlebnis.
Die Geschichte der Siedlung reicht bis in die Antike zurück, ihre prägendsten Spuren hinterließen jedoch die Mauren. Ihrer Herrschaft entstammt nicht nur die typische Gestalt des Ortes. Sie bauten Alcalá de los Gazules vor allem zu einer bedeutenden Grenzfestung aus. Obwohl nach der christlichen Rückeroberung im 13. Jahrhundert neue Kirchen und Adelshäuser entstanden, blieb der mittelalterliche Grundriss erhalten. So zieht sich das verwinkelte Gassennetz noch immer in engen Windungen den Hang hinauf.
Den Mittelpunkt bildet die Plaza Alta auf dem höchsten Punkt der Altstadt. Hier erhebt sich mit der Iglesia de San Jorge das bedeutendste Bauwerk Alcalás. Die spätgotische Kirche entstand im 16. Jahrhundert über den Fundamenten einer ehemaligen Moschee. Gemeinsam mit ihrem markanten Glockenturm und der angrenzenden Casa del Cabildo prägt sie bis heute das Stadtbild. Nur wenige Schritte entfernt erinnern die Überreste der islamischen Festung an die strategische Bedeutung des Ortes während der jahrhundertelangen Grenzkonflikte zwischen Christen und Mauren.
Von der Anlage ist heute nicht mehr viel zu sehen, die denkmalgeschützte und begehbare Ruine bietet aber eine hervorragende Aussicht über das Dorf, bevor der Blick weit über die Berge und Korkeichenwälder des Naturparks Los Alcornocales schweift. Am Hang, der unmittelbar nach Norden hin abfällt, verbirgt sich mit dem Parque Temático Dinosaurios ein hübsch gestaltetes Kleinod, das für Familien mit Kindern interessant sein dürfte. Der kleine Themenpark an der Calle Coracha lädt mit seinen großen Dinosaurier-Nachbildungen zu einer spielerischen Pause ein.
Auch abseits seiner Sehenswürdigkeiten besitzt Alcalá de los Gazules einen unverwechselbaren Charakter. Das Leben verläuft hier spürbar ruhiger als in den touristisch geprägten Orten der Costa de la Luz. Kleine Geschäfte, traditionelle Bars und weiß gekalkte Häuserfassaden bestimmen das Bild, während die umliegenden Wälder seit unvordenklicher Zeit die wirtschaftliche Grundlage der Umgebung bilden. Noch heute spielt die Korkgewinnung eine tragende Rolle und gehört zur kulturellen Identität des Ortes.
Alcalá de los Gazules eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Erkundungen des Naturparks Los Alcornocales, dessen ausgedehnte Korkeichen- und Lorbeerwälder zu den größten zusammenhängenden Beständen ihrer Art auf der Iberischen Halbinsel zählen. Das verkehrsgünstig gelegene Besucherzentrum El Aljibe südwestlich des Ortes versorgt Wanderer mit Informationen, während man in einem angeschlossenen botanischen Garten die Flora der tiefen Schluchtwälder auf kurzen Pfaden in komprimierter Form erlebt.