Nur einen kurzen Spaziergang über die historische Puente de Isabel II vom Stadtzentrum entfernt, zeigt Sevilla im historischen Stadtteil Triana ein völlig anderes Gesicht. Das am westlichen Ufer des Guadalquivir gelegene Viertel blickt auf eine jahrhundertealte, eigenständige Geschichte zurück. Als traditioneller Schmelztiegel für Seeleute, Fischer, Handwerker und Händler hat sich die Gegend eine Identität bewahrt, die im heutigen Stadtgefüge ihresgleichen sucht. Viele Bewohner fühlen sich noch immer eng mit ihrem Stadtteil verbunden und bezeichnen sich mit sichtbarem Stolz als Trianeros.
Der Puls des Viertels schlägt entlang der Calle Betis. Die Uferstraße mit freiem Blick auf die Altstadt mit ihren Kirchtürmen und historischen Fassaden auf der anderen Flussseite bietet eine der schönsten Stadtansichten. Zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés haben sich hier angesiedelt. Besonders in den Abendstunden herrscht reges Treiben. Auch wenn es hier und in den anderen Hauptstraßen des Viertels recht touristisch zugeht, weil Triana längst nicht mehr der Geheimtipp von einst ist, hat sich die Gegend viel von ihrem ursprünglichen Charakter bewahrt. Bereits wenige Schritte abseits der Promenaden prägen traditionelle Wohnhäuser, alteingesessene Lokale, kleine Geschäfte und Manufakturen das Bild.
Immer wieder trifft man auf Keramikhandwerk, das untrennbar mit der Geschichte Trianas verbunden und dem tonreichen Boden am Guadalquivir zu verdanken ist. Töpfereien und Keramikgeschäfte halten die Tradition lebendig. Das Centro Cerámica Triana dokumentiert die Geschichte dieses Handwerks und vermittelt einen Einblick in die frühere Bedeutung der Keramikproduktion für den Stadtteil. Viele der farbenprächtigen und als Azulejos bekannten Kacheln, die noch heute Kirchen, Plätze und Innenhöfe in ganz Andalusien schmücken, wurden einst in Triana gefertigt.
Natürlich sind diese Spuren auch in Triana selbst omnipräsent, zum Beispiel in Form der prächtigen Verzierung des Glockenturms von Santa Ana. Die Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert unter König Alfons X. errichtet und gilt als ältestes Gotteshaus Sevillas. Für die Bewohner Trianas ist sie weit mehr als ein historisches Bauwerk. Bis heute ist die „Kathedrale von Triana“ der Mittelpunkt des religiösen Lebens und vor allem während der Osterwoche einer der zentralen Anziehungspunkte der Stadt.
Überhaupt ist Triana in kultureller Hinsicht eine der bedeutendsten Gegenden Sevillas. Der Flamenco, der ohnehin in der Stadt fest verwurzelt ist, gehört seit Generationen zur Identität des Viertels und ist bis heute in vielen Bars, traditionellen Peñas und Veranstaltungen präsent. Zahlreiche bekannte Künstler stammen von hier oder sind eng mit dem Stadtteil verbunden. Wenngleich heute manche Inszenierung ihren touristischen Hintergrund nicht leugnen kann, ist die Wahrscheinlichkeit höher als anderswo, einem spontanen und authentischen Gefühlsausbruch in einer Gasse oder einem Lokal beiwohnen zu können.
Derartige Momente machen Triana ebenso nahbar und liebenswert wie der Mercado de Triana. Die lebhafte Markthalle direkt am Brückenkopf der Puente de Isabel II ruht auf den Fundamenten des ehemaligen Castillo de San Jorge und ist bekannt für frisches Obst, Gemüse, Fisch und regionale Spezialitäten. Mit zahlreichen Marktständen und kleinen Tapas-Bars ist der Markt ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher.