Der Mirador de San Nicolás ist einer der Sehnsuchtsorte Granadas. Kaum ein anderer Ort verkörpert die besondere Magie der Stadt so eindrucksvoll wie diese kleine Aussichtsterrasse am oberen Rand des berühmten Albaicín. Das Labyrinth des historischen Viertels im Rücken und einen der spektakulärsten Anblicke der majestätischen Alhambra vor Augen, begegnen sich hier zwei großartige Wahrzeichen auf einzigartige Weise. Dieses Zusammenspiel macht den Mirador de San Nicolás seit Jahrhunderten zu einem Ort voller Bewunderung, Inspiration und Staunen.

Das Panorama, das sich vom Mirador de San Nicolás bietet, gehört zu den berühmtesten Ansichten Andalusiens überhaupt. Das ikonische Motiv der maurischen Palastanlage in ihrer vollen Pracht mit den oftmals schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund ist nicht ohne Grund auf Postkarten und zahlreichen Souvenirs verewigt.

Besonders zum Abend hin steigert sich die Pracht, die man vom Mirador aus erlebt, ins Unermessliche. Dann taucht der Schein der tiefstehenden Sonne die Mauern und Türme der Alhambra in flammende Rot- und Goldtöne, die beinahe den Atem stocken lassen. Niemand Geringeres als Bill Clinton adelte 1997 den Anblick der Alhambra im Abendlicht als den schönsten Sonnenuntergang der Welt. Der Satz ist untrennbar mit dem Mirador de San Nicolás verbunden, soll aber tatsächlich am Mirador de San Cristóbal gefallen sein. Ohnedies gibt es an den Hängen des Albaicín und im oberen Teil des benachbarten Sacromonte eine Reihe weiterer Aussichtspunkte, die ähnlich spektakuläre Panoramen versprechen.

Es ist aber ausgerechnet der Anblick vom Mirador de San Nicolás, der seit Generationen eine ganz besondere Faszination auf Schaulustige ausübt. Während die letzten Sonnenstrahlen die Festungsmauern förmlich glühen lassen, bevor eine aufwendige Illumination zur blauen Stunde das Farbenspiel noch intensiver erscheinen lässt, füllt sich der Platz. Der allabendliche Auflauf hüllt die Szenerie in ein lebhaftes Geplauder, während Straßenmusiker nicht selten mit Flamencoklängen aufspielen und Händler versuchen, Fächer und andere Souvenirs unters Volk zu bringen.

Trotz des regen Andrangs und seines internationalen Publikums hat sich der Mirador de San Nicolás seinen volkstümlichen Charakter bewahrt. Einheimische sitzen auf den Bänken und beobachten gelassen das Treiben, Kinder spielen vor der benachbarten Kirche San Nicolás, und von den umliegenden Teehäusern breitet sich der Duft orientalischer Gewürze durch die engen Gassen der Umgebung aus. Der gelebte Alltag untermalt dezent den besonderen Reiz des Aussichtspunktes.

Ein paar Schritte weiter erhebt sich zudem die Mezquita Mayor de Granada mit einem traditionellen Minarett und ruhigen Gärten. Von hier bietet sich abermals eine eindrucksvolle Perspektive auf die Alhambra, zugleich aber auch ein stillerer Kontrast zum oft geschäftigen Treiben auf dem Mirador selbst. Stattdessen gibt es hier zu dem wundervollen Ausblick Tee und Gebäck. Überhaupt lohnt es sich, die kleinen Seitengassen ringsum zu erkunden, denn neben dem Mirador de San Nicolás und den anderen offiziellen Aussichtsplattformen öffnen sich vielerorts unerwartete Blickachsen auf die roten Mauern der Nasridenfestung.