Die Plaza de los Capuchinos ist einer der besten Orte, um Córdoba von seiner ursprünglichen, fast schon intimen Seite zu erleben. Abseits der Touristenströme strahlt der schlichte Platz im Norden der Innenstadt eine dörflich wirkende Ruhe aus, die inmitten der pulsierenden Großstadt selten ist. Das Kleinod ist damit wie geschaffen, um bei einer kontemplativen Auszeit in die Seele der Stadt einzutauchen.

Seine außerordentliche Schlichtheit ist das Markenzeichen des Platzes, der sich abseits der Hauptstraßen wie ein Hof zwischen dem ehemaligen Kapuzinerkloster und dem einstigen Hospital San Jacinto versteckt. Im Jahr 1633 als Vorplatz des Klosters angelegt, erklärt sich nicht nur der Name des Platzes, sondern seine karge Gestaltung. Der Orden der Kapuziner (Los Capuchinos) ist nicht nur für seine charakteristischen Kutten mit spitzen Kapuzen bekannt, sondern steht für Armut und Einfachheit. In reinstem Weiß gekalkte, jedoch schmucklose Mauern rahmen die Plaza de los Capuchinos ein, deren dunkles Kopfsteinpflaster die Einfachheit dieses Ortes untermauert. Der Verzicht auf jegliche Zierde lässt den Mittelpunkt des Platzes umso eindrucksvoller hervortreten.

Dort thront seit dem Jahr 1794 der Cristo de los Faroles (Christus der Laternen). Das Kruzifix ist eines der am tiefsten verehrten religiösen Denkmäler Córdobas und verdankt seinen Namen den acht schmiedeeisernen Laternen, die das steinerne Kreuz einrahmen. Besonders stimmungsvoll zeigt sich dieses Ensemble in der Dämmerung, wenn die Leuchten die Christusfigur mit einem warmen Lichtschein umgeben und dem gesamten Platz ein feierliches Ambiente verleihen.

Es lohnt sich, innezuhalten und diesen steinernen Rückzugsort auf sich wirken zu lassen. Die Plaza de los Capuchinos beschert einen der wertvollen Momente, in denen die Zeit zu stehen scheint. Wer den Platz verlässt, tut dies fast immer mit einem Gefühl der Entschleunigung und inneren Ruhe.

Nur einmal im Jahr weicht die andächtige Stille einer inbrünstigen Christusverehrung, die tief im Selbstverständnis Córdobas verwurzelt ist. Während der Osterwoche, wenn die Prozessionen der örtlichen Bruderschaften mit ihren schweren, silberbeschlagenen Altären über den Platz ziehen, um ihrem Cristo de los Faroles zu huldigen, bricht sich die hingebungsvolle andalusische Leidenschaft Bahn.